Locked in – Ziehen Situationen Menschen an, oder Menschen Situationen?

Freunde von mir behaupten immer mal wieder gerne: Das kann auch wirklich nur Dir passieren! Vor ein paar Wochen, als der Schnee noch sein Unwesen trieb, bekam diese Einschätzung mal wieder neue Nahrung, und ich habe mich natürlich selber gefragt, ob dem so ist oder nicht.

Ein Samstagmorgen mit 15 Zentimeter Neuschnee lädt nicht wirklich zu einer fröhlichen Freiluftbesichtigung von Gebrauchtwagen ein. Schon gar nicht, wenn blauer Himmel und graues Schneetreiben sich innerhalb weniger Minuten abwechseln und das Schuhwerk eher zum Joggen, aber nicht zu einem Winterspaziergang geeignet ist.

Jeder, der schon mal in einem Auto eingeschlossen war, trete vor, und hebe die Hand. Ich verspreche auch, nicht zu lachen – höchstens über mich selbst. Der Händler, oder vielmehr der Helfer des Autoverkäufers hatte mir den Wagen, einen A3 Sportback mit Sonderlackierung, notdürftig frei geschaufelt und per Fernbedienung geöffnet, um sich sogleich nach Absprache wieder anderen Kunden, einem Paar mit Kind, zuzuwenden. Der schneefreie Zugang zu fünf weiteren, parallel geparkten A3 musste vorerst warten.

Seit Wochen drängt sich mir der Eindruck auf, dass es der Autoindustrie bzw. den Autoverkäufern noch nicht schlecht genug geht. Wie sonst lässt es sich erklären, dass von dieser Seite nicht alles getan wird, um die Verkaufszahlen – seien es Gebrauchtwagen oder (in Überzahl produzierte) Neuwagen – zu steigern. Ich muss jetzt auch nicht von amerikanischer Dienstleistungsmentalität sprechen, aber man sollte als Verkäufer schon erkennen, wen man vor sich hat, und was der- oder diejenige gerne hören will oder erwartet.

Ich sitze also zwischen zwei Schneeschauern und anhaltend kaltem Wind das zweite Mal in dem Auto, das mich bereits nicht mehr interessiert – zwecks Aufwärmen. Kaum ist die Tür hinter mir ins Schloss gefallen, folgt ein weiteres durchaus vertrautes Geräusch, und ich bin eingeschlossen. Schon nach kürzester Zeit steigt eine Ahnung in mir auf, die andeutet, dass dieser Aufenthalt länger und unfreiwilliger als geplant ausfallen könnte. Wie sich heraus stellt, ist das Auto von Innen nicht zu öffnen, wenn es von draußen abgeschlossen wurde. Dumm nur, dass ich mich auf der falschen Seite der Scheibe befinde.

Nach 20 Minuten bemühe ich das Handy und rufe in der Verkäufer-Box direkt hinter mir an, und werde prompt ins Hauptgebäude umgeleitet, wo ich die Situation erläutere und Rettung erhoffe. „Sie finden mich in dem Auto, dessen Scheiben immer mehr beschlagen.“ Gelächter auf beiden Seiten der Leitung. Kaum ist das Gespräch beendet, kommen wieder Menschen in mein Sichtfeld. Die Familie von vorhin, zunächst nur in Gestalt des Vaters, reagiert prompt auf meine Zeichensprache und nur wenige Sekunden später erklingt das ersehnte Klack und ich bin befreit. Der Türöffner verkündet: „Ich dachte, Sie sind nach Hause gegangen. Sie waren plötzlich weg.“ So kann man es auch sehen. Nicht weg vom, sondern weg hinterm Fenster…

Hinterher kann man immer über alles lachen. In diesem Fall ja durchaus auch schon währenddessen. Allerdings muss ich gestehen, dass diese kleine Episode überall gut ankommt und für herzliches Gelächter sorgt. Oh Lord, won’t you buy me…!?!

Aber jetzt, am Ende eines langen Tunnels, haben sich endlich ein paar gute Seelen, und seien sie nur geschäftstüchtig, meiner erbarmt. Kein Vertragshändler, sondern eine Audi-Tochtergesellschaft hat das Rennen gemacht und seit heute morgen hat das lange Warten ein Ende.

Der Name für meinen Schneekönig ist noch offen, aber in Anlehnung an den Film Wonderboys wird er wohl Vernon heißen. Allzeit gute Fahrt, old fart!