Wählen muss man immer

Eins gleich vorweg: Dies ist kein Beitrag zur Unterstützung einer bestimmten Partei. Mein heutiger Blogeintrag richtet sich vielmehr gegen das von Frau Merkel eingerichtete System der präsidialen Verwaltung und soll ein Aufruf sein, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Beides – Merkels Politikstil und das Nichtwählen – sind Totengräber einer aktiven Demokratie.

Geistige Lähmung und verbaler Durchfall – auch bei sogenannten Intellektuellen. Das ist bei Nichtwählern recht weit verbreitet. Was in der SPIEGEL-Titelgeschichte in dieser Woche dazu zu lesen war, ist schwer zu ertragen. Die Lähmung hat sich seit 2005 schleichend ausgebreitet, sehr zum Verdienst der amtierenden Bundeskanzlerin. „Die Vielfarbenkanzlerin“ wurde das in den Medien mal genannt – zutreffend. Man könnte es auch Präsidialstil, Verwaltungschefin, Aussitzerin, Machtphysik oder Königin der (Macht-)Beliebigkeit nennen.

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Und nein!, es geht dabei nicht (allein!) darum, Mehrheiten zu organisieren (das kann man übrigens auch mit Vernunft und Sachverstand parteiübergreifend tun), sondern um die Mutlosigkeit unserer Volksvertreter. Letzteres mit dem ewigen Totschlagargument „Die-haben-alle-Angst-nicht-wiedergewählt-zu-werden“ garniert und dazu mit einem an Charisma-Armut, Sprachunkunst (Herr Rösler, setzen – Sechs!) und Verpackungswahrheiten versetzt, so dass man es schon nicht mal mehr wagt, von einer Persönlichkeit mit Ausstrahlung wie Obama zu träumen (ich rede dabei von der Person und nicht von Inhalten).

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Vor der eigenen Tür kehren – Auch Du, Muttilein!

Es ist äußerst beliebt, mit dem Finger auf andere zu zeigen, anstatt die Gründe für Misserfolg bei sich selbst zu suchen. Irgendwann muss man aber bei sich selbst hinsehen – es hilft nichts (anderes). Manchmal hilft einfach nur Abstand. Ohne tägliches Bemühen geht es aber nicht.

Bevor ich zu dem komme, was mich persönlich und aus mir heraus gerade betrifft, sei ein kleiner Abstecher in die deutsche Politik gestattet. Die betrifft mich als 42-jährigen Wähler spätestens im September bei der kommenden Bundestagswahl wieder, allerdings genauso an jedem einzelnen Tag – direkt vor meiner Tür.

Quadriga Italia_Roma

Quadriga Italia_Roma

Angela Merkel würde ich gerne als Bundeskanzlerin im Herbst verabschieden. Sie führt die schlechteste Regierung seit 1949 und verwaltet sich und ihren Machterhalt zu Tode. Vielmehr würde ich aber ihr Politiksystem verabschieden, denn es ist nur auf besagten Machterhalt, eine rückgratslose, beliebige Politik ohne Überzeugungen und damit ein von Frau Merkel perfektioniertes präsidiales Regieren ausgelegt. Sie ist vielmehr Präsidentin, als Kanzlerin. Sie macht reibungslose Politik – mit verheerenden Folgen. Das Schlimmste und Unerträglichste: Sie erfreut sich großer Beliebtheit, weil sie an der von ihr geführten Regierung scheinbar unbeteiligt ist.

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PRISM – Patriotische Realität im System Macht

„Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht“, sagt Edward Snowden über das Vorgehen der NSA. Das hat wie immer zwei Seiten.

Wie SPIEGEL Online berichtet, eignet sich der amerikanische Geheimdienst NSA offenbar im großen Stil große Datenmengen von den Servern von Google, Apple, Facebook und Microsoft an.

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Der Satz des jungen Informatikers Snowden ist aber wichtig und richtig. Spioniert wurde zwar immer schon, aber das Problem liegt in der immer größeren Beschneidung und/oder Einschränkung von Bürgerrechten.

Ich zitiere mal „Amerimacka“ (Album: The Cosmic Game) von Thievery Corporation: „The land of the free, built on slavery.“ Die Sklaverei ist heute eine moderne, oft selbstgemachte. Sich allerdings unter dem Deckmantel der Terrorabwehr private und vor allem auch kommerzielle Daten wie im Selbstbedienungsladen anzueignen und zu benutzen, macht den mir ohnehin fremden US-amerikanischen Patriotismus vollends suspekt und führt ihn über die Grenze der (Selbst-)Perversion.

Fast 12 Jahre nach 9/11 haben die Terroristen wohl mehr erreicht als sie sich vorgenommen hatten. Traurig, aber wahr.

Das goldene Zeitalter?

Eigentlich wollte ich einem Kollegen ein Foto mit einem Kompass aus meinem privaten Bestand raussuchen, als ich auf ein 10 Jahre altes Bild aus Hannover stieß. Unweigerlich musste ich an das Champions League-Finale in zwei Tagen in London und die vieldiskutierte Frage, ob jetzt die große Zeit des deutschen (Vereins)Fußballs anbricht, denken. 

Sonnenuhr im Großen Garten (Herrenhäuser Gärten) in Hannover.

Sicher, eine Sonnenuhr ist kein Kompass, aber die Himmelsrichtungen sind auch vorhanden. Wohin geht die Reise, folge ich dem richtigen Weg? Und scheint die Sonne morgen auch noch?

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Enttäuschung über verwehrten Wochenend-Spaß

Man kennt es ja nun schon: je mehr Skandal in der heimischen Liga, desto mehr „flüchtet“ die italienische Nationalmannschaft in den Erfolg. So geschehen 1982 und 2006 vor dem WM-Titelgewinn und – wie es aussieht – auch 2012.

Doch dieses Mal ist es besonders nervig, denn unter Wert geschlagen zu werden, tut besonders weh. Gestern – Achtung, Phrase! – ließ der Gegner aber kein besseres deutches Team zu. Dass die Italiener den Deutschen nicht liegen, kann man nicht nur aus der gestern erneut bestätigten Bilanz der bisherigen EM- und WM-Turniere ablesen. Es ergibt sich auch aus der Statistik der Länderspiele beider Teams gegeneinander.

Warum das so ist?

Mehmet Scholl, der übrigens mit Abstand beste mediale Begleiter des Turniers, brachte es auf den Punkt: von Kindesbeinen an sind und werden die Spieler der Squadra Azzurra taktisch geschult. Sie nehmen das Taktik-Einmaleins quasi bereits mit der Muttermilch auf. Und taktische Fehler des Gegners bestrafen sie sofort, eiskalt und effizient. Zudem lässt sie Cesare Prandelli auch konsequent nach vorne spielen. Anders kann es auch gar nicht sein, denn beim Tempo-Fußball dieser EM konnten sich selbst die Griechen nicht mehr einfach komplett hinten rein stellen. Entsprechend ansehnlich waren dann auch ihre Leistungen.

Die italienische Mannschaft ist bei aller Enttäuschung (aus deutscher Sicht) auch nicht gerade unsympathisch. Was mir besonders gut gefallen hat, waren Demut vor dem Sport und Respekt vor dem Gegner. Das spiegelte sich auch in den Kommentaren nach dem Spiel wieder. Respekt und Gratulation auch dafür.

Ich hoffe sehr – und dieser Beigeschmack bleibt leider auch seit Jahren -, dass Verfehlungen im italienischen Spielbetrieb mit allen Konsequenzen geahndet werden und sich (und uns) Spieler und Klub-Verantwortliche auch im Hinblick auf das Financial Fair Play in Zukunft mal ihre hausgemachten Skandale sparen. Spielerisch nötig haben sie es aktuell nicht, aber die Versuchung scheint ja immer wieder größer zu sein. Da Herr Berlusconi scheinbar politisch im Abseits steht und auch gesetzgeberische Tricks die Budgets und Bilanzen der italiensichen Vereine in Zukunft nicht mehr retten können, bin ich verhalten zuversichtlich.

Auch, wenn es schwer fällt: Glückwunsch, Italien! Ich drücke ihnen jetzt auch die Daumen, denn Spanien muss es nun wirklich nicht (mehr) sein. Italien ist für die Deutschen ja so etwas wie eine Hassliebe, denn die Italiener haben Stil, sie sind ein mehr als beliebtes Urlaubsland und sie besitzen die (im Fußball durchaus hilfreiche) notwendige Schlitzohrigkeit.

Mal sehen, ob sich Mario Balotelli auch im Endspiel so im Griff hat, wie bisher.

Auch, wenn es nur ein schwacher Trost ist: Weder im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien, noch EM-Finale 2008 und WM-Halbfinale 2010 jeweils gegen Spanien war die deutsche Mannschaft in der Lage, so viel Druck aufzubauen (wie in der 2. Halbzeit gestern) und so viele Chancen zu erspielen. Das zeigt, wie gut sich das Team weiterentwickelt hat und wie gut das Spielermaterial mittlerweile ist. Ich denke, Marco Reuss wird in Zukunft immer von Anfang an spielen – Dortmund kann sich mehr als auf ihn freuen.

Ich plane seit gestern jedenfalls meinen Sommerurlaub in Brasilien 2014…