Emotionen in 4 Farben – Begegnung mit einer großen Persönlichkeit || Colours and emotions – Meeting one of the last real personalities of our time

Am Tag vor Himmelfahrt bin ich in die Schweiz gefahren. Schon im Februar hatte ich ein Seminar zur Weiterbildung gebucht. Die exakte Initialzündung zur Anmeldung erinnere ich nicht mehr, aber den Plan dieses spezielle Seminar zu besuchen trug ich bereits seit Herbst 2009 in mir. Nach 30 Minuten am ersten von vier Seminartagen war mir schlagartig klar: Hier bin ich richtig!

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In Brunnen am Viewaldstätter See, zwischen Luzern und Zug gelegen, trafen 18 Teilnehmer aufeinander, die eines gemeinsam hatten: sie waren offen für Neues und bereit, über den eigenen Tellerrand zu sehen. Diese – sagen wir mal – gleichgerichtete Energie war eine wahre Wohltat und eröffnete zusätzliche Ressourcen für die Aufnahme der Inhalte der Veranstaltung: Farbpsychologie. Ein Ausdruck, der dem Dozenten und Entwickler der Methode sicherlich nur bedingt gefallen dürfte.

Max Lüscher nur für sich genommen, ist bereits ein (Natur)Ereignis. Das spiegelte sich unter anderem auch in den verschiedenen Nationalitäten der Teilnehmer wider: Schweiz, Niederlande, Österreich, England, Ukraine, Russland/ Lettland, Deutschland. Der Ansatz von Lüscher, die Atmosphäre, die Menschlichkeit, der Humor, die Herzlichkeit, die Organisation und Betreuung vor Ort (danke Frau Hennes!), die Anwesenden, die Logik des Ganzen – einfach faszinierend!

To look outside of the box is probably one of the characteristics that I appreciate the most about other people. Sometimes it can be exhausting to be like that, and at the same time it also can set free energy and creativity like nothing else. Sitting in a room with 20 people being open to new grounds and willing and able to reflect about themselves, was an experience I had at the beginning of June that I will never forget.

What had happened? I went to Switzerland to witness a course on colours and their emotional meaning. Hardly have I met a person like Max Lüscher before. His knowledge on human behaviour, his kind of speaking, the words he chooses and his whole appearance is unique. He does not speak to sell something or to convince others, he speaks to get in touch with others, to broaden his horizon and to offer people an entrance to themselves. From my point of view, he is one of the last true personalities of our time, having witnessed almost 90 years of life and heaving met so many other brilliant people throughout this time. I can hardly express how thankful I am and will always be to have received the opportunity to get to know and learn from him.

Der 4-Farben-Mensch, wer ist das? Und wie ist er? Da ich niemals die Sprache und gewählten Worte dieses 1923 in Basel geborenen Mannes wiedergeben kann, taugt dieses Interview mit ihm sicherlich besser, um eine kurze Einführung in die Regulationspsycholgie zu geben und die Emotionen und Empfindungen zu beschreiben, die hinter den Farben stehen bzw. mit ihnen verbunden sind. Die „Psyche“ des Menschen ist dreidimensional, und Worte können dieses komplexe Gebilde nur unzureichend beschreiben. Vor allem werten sie auch und geben letztlich nur Meinungen wieder. Aus dieser Erkenntnis heraus hat Max Lüscher vor über 50 Jahren seinen Farbtest entwickelt und ständig weiter verfeinert.

Aber hören wir den großen Menschenkenner selbst:

Unfortunately, this video is only available in German language, and there are hardly any interviews with him to be found in the web anyway. For information on Lüscher Color Diagnostic you should take a look here.

So what was the main thing I learned there apart from the fact that I do understand myself even better now and have never been that relaxed before? Let’s take this quote: „What is most important in life? In fact it is not only knowing people, but understanding how they are and why they are the way they are.“

It is obvious that this knowledge reflects on all areas of life. I’m looking forward to continuing the course in October. In fact, I’m already counting the days…

Heimat – Hometown?

Vor drei Wochen bin ich seit über einem halben Jahr mal wieder in meine Heimatstadt Bremerhaven gefahren. Wie es dann ja oft so ist, kommt man monatelang zu etwas nicht, oder war lange nicht an einem Ort, oder hat jemanden ewig nicht gesehen, um dann gleich mehrmals in kurzer Zeit das genaue Gegenteil der Vormonate zu tun. Mit anderen Worten: Vor zwei Tagen war ich schon wieder dort. Dieses Mal aber mit weniger sentimentalen Gefühlen als Ende April – dafür mit ähnlichem Frühsommerwetter und in Begleitung.

Since I opened up a Twitter account three months ago and am posting tweets both in German and English, I decided to do so with my blog entries as well – from now on, resp. whenever it is possible.

The title of my blog „Eigenartige Welt“ means Peculiar World. Until 14 years ago, I myself used this term, describing something rather „strange“ than „individual“. I met a wise man those days, who told me to be peculiar. But it took some more years to adapt the feelings connected to this term that my brain had already understood. But knowing is nothing without feeling. So, maybe I’m strange sometimes, but hopefully in a rather peculiar way.

Today I’m sharing my thoughts about home and hometown. This topic originally came into my mind three weeks ago when I visited my hometown Bremerhaven (located at the North Sea shore, 60 kilometres north of Bremen, Germany). I was driving from Hamburg to Fishtown – as we used to call Bremerhaven after we had left it – on the motorway and listened to Francis Dunnery’s „Hometown“. In fact, I just spent about eight hours there that day, but my feelings changed from sentimental to proud, from proud to excited, and from excited to exhausted and back constantly. All in all, I was completely relaxed and just enjoyed the warm and sunny weather. But from that day on, I have been wondering what my hometown means to me, and what does home mean anyway?

So, here is my attempt to enter that cornucopia of feelings and thoughts, where seemingly has been an emotional void for a long time.

Letzten August hatte ich in Bremerhaven, oder in Fishtown, wie wir es nannten, nachdem wir die Stadt verlassen haben, 20-jähriges ABI-Treffen. Abgesehen davon, dass das ein erstaunlich gelungener Abend war, ist es im Nachhinein wohl bereits der Anlass zu den Gedanken über Heimat gewesen. Bezeichnenderweise fand die Veranstaltung im Auswandererhaus statt.

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Vor drei Wochen nun verlief der Tag in meiner Heimatstadt ganz anders als erwartet und geplant. Ich näherte mich der Stadt von ihrer von außen betrachtet attraktivsten Seite, dem Areal zwischen Columbus Center und Wesermündung mit den neuen Touristenmagneten Klimahaus, Aussichtsplattform auf dem Atlantic Hotel, Deutsches Schiffahrtsmuseum und besagtem Auswandererhaus. Meine Kamera führte mich wie von Geisterhand dorthin, wo ich scheinbar schon immer und auch noch nie gewesen bin, und am Ende ließ ich mich treiben, saß in der Sonne, blickte in über 100 Meter Höhe über die Stadt, und vernachlässigte über Stunden komplett einige Aufgaben, deren Erledigung ich meinen Eltern versprochen hatte.

Ich war mir selbst begegnet und fand alte und neue Gefühle an diesem Ort meines Auf- und Heranwachsens. Das kam plötzlich und verblüffend, und andererseits auch nicht, denn immer älter werdende Eltern, Stadtentwicklung, Abi-Treffen etc. arbeiten auch selbständig im Verborgenen, das man aber täglich mit und in sich trägt.

Was ist also Heimat und wo ist sie? An einem Ort oder immer dort, wo ich länger bin?

Speaking of home as such, you have to be aware of differences between just defining a certain word or feeling its attributes yourself. I guess most people relate home to the place where they grew up – the town, the house they lived, the people who surrounded them and became friends. Friends for that period of their lives or even for a lifetime.

Today, a lot of us are constantly on the road, mostly for reasons of business and jobs. That might even enforce the correlation of the word „home“ with childhood and youth days. In a song it’s said: „My home is where my heart is.“ That’s surely true, but being at home and feeling home is likely not the same.

What is „home“ then? Where is it and why is it so full of emotions – this place or area of space and time?

Heimat verweist zumeist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Ich möchte aber nicht weiter den dazugehörigen Wikipedia-Eintrag zitieren oder zusammenfassen, sondern meine ganz eigenen Gedanken aus meiner ganz eigenen (Heimat-)Geschichte schildern. Es sind im besten Sinne des Wortes eigenartige Gedanken.

Natürlich verbinde ich mit dem Wort Heimat als erstes das Sich-zu-Hause-Fühlen. Aber was bedeutet das, und ist dieses Gefühl endlich? Letztlich muss ich mich zu allererst immer in mir selbst zu Hause fühlen, sonst bleibe ich mir selbst immer ein Fremder.

Am 30. April in Bremerhaven habe ich mich jedenfalls unheimlich wohl gefühlt an diesem Ort. Man muss dazu wissen, dass die Stadt seit Beginn der 90er Jahre des vorherigen Jahrhunderts einen stetigen Verfall erlebt hat, der viele meiner damaligen Mitschüler und auch folgende Kinder der Stadt fort getrieben hat. Vor drei Wochen, wie auch vor zwei Tagen war das vorherrschende Gefühl bei mir: schön, hier tut sich etwas in die richtige Richtung, aber auf dem alten Fundament. Heimat reloaded von mir aus.

Für mich sind jedenfalls Heimat und Heimatstadt zwei miteinander verbundene, aber gleichzeitig völlig unterschiedliche Dinge. Das eine ist variabel, das andere ist unveränderlich. Die Heimat, die ich in mir trage, hat ihren Urpsrung in meiner Heimatstadt, weil sie dort geboren wurde. Heute ist Hamburg meine Heimat, und es fühlt sich an, als ob das niemals anders gewesen wäre. Es sei denn, ich komme nach Fishtown, und sehe die Stadt mit anderen Augen. Nicht mit denen der alten, nicht mit denen der neuen Heimat. Sondern mit denen des Besuchers, dessen Empfindungen sich im Raum zwischen damals und heute neu mischen und Gegenwart erleben lassen.

The feelings that struck me three weeks and also two days ago are located somewhere between past and present. They make it possible for a visitor of my hometown – which I am at this point in my life – to mix up to something new and to experience what presence is.

There is no place like home…

Meet me – In Amsterdam (Teil 1)

Ostermontag war ich zum fünften Mal in Amsterdam. Erstmals im Frühling und erstmals mit Freundin. Das Ganze stand jedenfalls von Anfang an unter einem guten Stern. 114 Euro für das coolste Hotelzimmer, in dem ich jemals war, Kaiserwetter, relativ pünktliche Abfahrt bei Freunden in Hannover am frühen Morgen und sowohl eine funktionierende Kredit- als auch EC-Karte – was will man mehr?

Nach minimalen Schwierigkeiten erreichten wir das Hotel Arena gegen Mittag. Ich hatte es über ein App mit meinem iPhone gefunden und gebucht. Das Wallpaper App Amsterdam hatte ich Ende Februar gekauft und alles, was ich dort bisher gefunden habe, hat sich als Volltreffer erwiesen. Es ist optisch und inhaltlich ein Leckerbissen, und am zweiten und letzten Tag unseres Aufenthalts konnte es weitere wertvolle, allerdings nicht kostenreduzierende Hinweise produzieren. Mein Plan war eigentlich nur, zumindest bei Sissy Boy reinzuschauen, wo ich beim letzten Aufenthalt (Oktober 2008) etwas Geld für diverse Sachen von Super Dry gelassen hatte…

Am Montag waren wir zu Fuß gestartet, Fahrräder wollten wir uns am kommenden Tag ausleihen. Nach 15 Minuten standen wir auf der Magere Brugg, wohl dem Wahrzeichen von Amsterdam. Ich hatte bei den Aufenthalten zuvor nie das Vergnügen gehabt, und bis vor Kurzem auch geglaubt die Brücke sei aus Metall. Sie besteht aber aus weiß lackiertem Holz und ist in jeder Hinsicht das Zentrum an der Amstel. Für uns wird der Aufenthalt auf der Brücke jedenfalls immer in Erinnerung bleiben.

Den ersten Hunger stillten wir im Van Dobben, wo man irrsinnig gut und irrsinnig schnell sogenannte Croquets bekommt. Ich schaute zwar zunächst etwas sparsam drein, als sich eine der beiden Bestellungen als Mettbrötchen mit gekochtem Ei entpuppte, aber im Zusammenspiel mit der Schweinebratenvariante der zweiten Bestellung und unter Mithilfe von Senf war der kurze Schreck schnell zu den Akten gelegt.

Nach ein paar Schlenkern am Ende der Kerkstraat, erreichten wir mein bevorzugtes „Revier“ zwischen Keizers- und Prinsengracht. Es stellte sich raus, dass mein Merian live von Amsterdam mindestens zehn Jahre zu alt war, denn das gesuchte Café Pulitzer gab es nur noch in anderer Form bzw. unter anderem Namen. Auf der Suche nach einem schönen Platz für ein noch schöneres Stück Kuchen hatten wir dann die Wahl zwischen der Pulitzer Bar und dem Restaurant Keizersgracht 238. Beide Einrichtungen sehr gediegen, die Frage war nur, ob wir uns nach draußen setzen wollten oder konnten.

Wir durchquerten fragend und sehend den 24-Häuser-Komplex des Hotel Pulitzer, wo wir unter anderem den „schönsten Garten Amsterdams“ in Augenschein nehmen konnten. Am Ende landeten wir im Restaurant, das ab 18 Uhr Einlass gewährte. Spargel, Kürbis-Risotto und Lemon Cheesecake wurden von Merlot und spanischem Rosé abgerundet. Highlight des Restaurants, neben dem Eros Rammazzotti-Lieder singenden Koch, unserer alerten Bedienung und dem Essen war das Wandgemälde im größten Raum. Selbst nach einer Stunde Betrachtung kann man immer noch Details finden.

Wandgemälde_Keizersgracht238

Für den Dienstag notierte ich in mein Moleskine City Notebook den Namen Cortina Papier, ein hübsches, nicht zu kleines Papier- und Büroartikelgeschäft in der Reestraat. Für den ca. 3 Kilometer langen Rückweg zum Hotel benötigten wir gut 50 Minuten. Das eine oder andere Lichtbild wurde gefertigt und kurz vor dem Erreichen der Herberge war die Speicherkarte von meiner Canon voll.

Ein Traumtag ging zu Ende und ich stellte mit Erschrecken fest, dass das geniale Zimmer bereits „normal“ für mich geworden war. Aber der Leser schaue selbst, ich würde es immer wieder buchen:

Einziger Nachteil im Hotel: Zehn oder 15 Euro Tagesgebühr für Internetzugang (je nach Zugangsart). Am Abend hatte ich meinen Voucher-Code noch immer nicht aktiviert und dann ließ ich es auch dabei. Die Dame an der Rezeption verstand zwar erst nicht, was ich wollte, aber am Ende konnte ich den Voucher zurückgeben und die veranschlagten zehn Euro wurden von meiner Rechnung entfernt.

Song of the day: „In Amsterdam“ (Noonday Underground Remix), Paul Weller – Wake Up The Nation [Special Edition]. Der Remix enthält (Sprech-)Gesang und der Refrain geht mir nicht mehr aus dem Kopf und gibt dem Beitrag seinen Titel. „…at the Paradiso…!“ #Iamsterdam

Portugal – Vivo sonhando

Unter dem Titel Kater ohne Party war in der Wochenend-Ausgabe der SZ ein Bericht über die wirtschaftliche und finanzielle Lage in Portugal zu lesen. Die Stimmung im Land wird dort als Mischung aus Galgenhumor, Verzweiflung und Gewohnheit beschrieben. Anders als Irland haben nicht die Banken das Land in die Bredouille gebracht. Anders als Griechenland hat die einstige Kolonialmacht nicht seine Rechnungen frisiert.

Griechenland hat aber 2004 die Fußball-EM in Portugal gewonnen. Der von der EU subventionierte Bau der schönen modernen Stadien belastet das Land bis heute. Dazu kommen niedrige Sparquote, hohe Staatsverschuldung und eine Arbeitslosenquote von 11 Prozent. Keine guten Voraussetzungen, um auf EU-Hilfen verzichten zu können.

Als ich im Januar 2009 zuletzt in Lissabon war, war es unübersehbar, dass das Land zu den ärmeren in der EU gehört. Obdachlose vor dem Finanzministerium sind der Normalfall. Bei meinen Fußmärschen durch die Stadt ist mir eine einzige Straße bzw. Häuserzeile aufgefallen, die komplett intakt war, alle anderen waren mit mindestens einer Ruine oder einem baufälligen Gebäude versehen.

Die Mentalität der Portugiesen liegt mir. Man spürt bereits den rauhen Atlantik in ihrem Wesen, sie sind freundlich, scheinen zunächst etwas distanziert und können auf eine so reiche Geschichte zurückblicken. Lissabon ist für mich eine der fünf schönsten Städte der Welt – auch zum Wohnen und Leben. Ein Stadtbild geprägt von Nähe und Ferne – der Fluss Tejo mit direkter Strömung zum Meer. Seefahrer, was wollt Ihr mehr?

Musik dazu, auch wenn brasilianisch: Vivo sonhando – Dreamer von Morelenbaum²/Sakamoto (Album: Casa). Buchempfehlungen: Antonio Tabucchi – Lissabonner Requiem; Pascal Mercier – Nachtzug nach Lissabon.

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Mich überkommt Fernweh, wenn ich an das Castelo de São Jorge denke, an den Blick auf den Fluss, die großen dunklen Schatten der Wolken auf dem Wasser und die Hügel der Stadt.

Vivo sonhando!

Zwischen Ronco und Monte Generoso (Teil 2)

Die drei südschweizer und oberitalienischen Seen werden in den fünf Tagen unserer Reise alle von uns heimgesucht. Den Lago Maggiore verlassen wir am 2. August und über den Umweg nach Mailand inkl. obligatorischem Stadtbummel und Dombesuch landen wir am späten Nachmittag am Lago di Como.

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Gerne wäre ich unter normalen Umständen und als begeisterter Autofahrer auf die 180 Kilometer Seerundreise gegangen – aber heute ist es nur ein Zwischenstopp. Belaggio muss warten und wir fahren nach Chiasso in die Schweiz und decken uns erstmal bei ALDI Suisse mit Nahrungsmitteln ein.

Eine Stunde später bauen wir unser Zelt unterhalb des Monte Generoso auf einem Campingplatz auf, der direkt am Lago di Lugano liegt. Selbst die Sintflut eine weitere Stunde später kann dem Zelt nichts anhaben und die Laune nicht kippen.

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Das Bad im See am folgenden Morgen ist zwar kühler als im Lago Maggiore aber ein tolles Naturerlebnis und äußerst belebend.

Zwei Stunden später fahren wir zum Gotthard-Pass hinauf. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es regnet dort nicht und wir gehen dem Stau vor dem Gotthard-Tunnel aus dem Weg. Nach knapp zwei Stunden Fußmarsch, vom San Gottardo Ospizio kommend, und vorbei am Lago di Sella entscheiden wir uns in 2600 Meter Höhe angesichts schnell aufziehender Wolken für das vorzeitige Ende der Tour und treffen nach einer recht beeindruckenden Abfahrt und weiteren schönen Aussichten am Vierwaldstätter und Zuger See gegen 18.00 Uhr in Zürich ein.

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Wir biegen in der Duffourstraße rechts in die Seegartenstraße ein und auch hier lacht uns die Sonne bei 23 Grad. Vom angkündigten Regen weit und breit keine Spur. Der Abend kann kommen

Zwischen Ronco und Monte Generoso (Teil 1)

Die wärmste Stadt der Schweiz ist Locarno am Lago Maggiore. Bewegt man sich von dort weiter, ganz gleich, auf welcher Uferseite, ist man schnell in Italien. Am Ostufer ist die nächste größere Stadt Luino, am Westufer kommen nach Ascona, allerdings noch im Tessin, Ronco Porto und Ronco sopra Ascona.

Am 1. August, dem Schweizer Nationalfeiertag, kommen wir nach Ascona, finden dort in der Via Borgo einen wunderbaren kleinen Buchladen, ein akzeptables Restaurant und farbenforhe Häuserfassaden.

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Wir folgen der Uferstraße Richtung Brissago und ehe wir uns versehen, fahren wir hinauf nach Ronco s/Ascona (so steht es auf allen Schildern). In Anbetracht der fortgeschrittenen Uhrzeit zeichnet es sich bereits ab, dass wir das für 22.00 Uhr in Ascona angekündigte Feuerwerk von hier aus ansehen werden.

„Was ist denn hier los?!“

Die Serpentinen nach Ronco sopra Ascona bieten auf der Seeseite in der Regel jede Menge einzelner Parkplätze – Privatparkplätze, die im Normalfall zu den angrenzenden Grundstücken gehören. In der Regel ist das auch entsprechend ausgeschildert. Der Platz, den wir uns suchen, hat keinen entsprechenden schriftlichen Hinweis zu bieten, lediglich eine Fahrstuhltür in der Begrenzungsmauer Richtung Abhang. Wir parken so, dass noch ein zweites Fahrzeug Platz finden kann.

Nachdem wir knapp zwei Stunden weiter auf- und ortseinwärts gelaufen sind, und wunderschöne Ausblicke vom Panoramaweg auf Ascona, Locarno und die Isole di Brissago genießen konnten, kehren wir zum Auto zurück. Ein weiterer Wagen hat sich zu uns gesellt und wir verpflegen uns kurz und ich versuche die Akkus meiner diversen kleinen Gerätschaften über meinen Laptop aufzuladen. Vermutlich durch die Geräusche unserer Unterhaltung angezogen, geht mit einem Male die Fahrstuhltür auf und der Teil mit der angemessenen Ansprache wird gleich übersprungen.

„Was ist denn hier los?!“ Man spricht also deutsch – und verhält sich leider auch so. Der vermeintliche Hausherr deklariert den Parkplatz als privat, verweist auf in Kürze zu erwartenden Besuch und zieht sich prompt in den Fahrstuhlschacht zurück. Wir sehen uns verduzt an und ich frage mich, ob es Intermezzi wie diese sind, die deutsche Staatsbürger bei ihren südlichen Nachbarn so unheimlich beliebt erscheinen lassen.

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Das Feuerwerk zwei Stunden später entschädigt bei einsetzendem leichten Nieselregen – es ist, Gott sei Dank, ein schweizer Feuerwerk.