First time @ Neptun Award

Gestern fand im vom Aussterben bedrohten Kino Streit’s am Jungfernstieg in Hamburg der Neptun Award 2011 statt. Ich war vor Ort – und multimeditierte mir die Finger am iPhone wund. Das Event zeichnet jährlich im Wettbewerb von 5 Finalisten die beste Crossmedia-Kampagne des Jahres aus. Die für die jeweilige Kampagne verantwortliche Agentur muss vor Fachjury und Publikum performen und in 20 Minuten mit oder ohne Einspielfilme die Kampagne und deren Stringenz erklären bzw. vermitteln.

Hier der Mitschnitt der gelungen Erklärung der Veranstaltung von Moderator Harald Kratel:

Ich twitterte mir währenddessen die Finger wund, machte Fotos, drehte kurze Filme (leider keinen von der genialen „Show“ der Rampensau von Scholz & Friends), und notierte und SMSte die Einzelnoten für die Abstimmung zu jeder Präsentation. Die Timeline bei Twitter unter #neptun11 zeigt recht gut den Verlauf des Events und die „Diskussionen“ im Verlauf. Am Ende schlägt Meister (Scholz & Friends für Mercedes) den Meister der Herzen (kempertrautmann für die Initiative Vermisste Kinder) äußerst knapp, aber nicht unverdient. Das Budget der beiden Agenturen wollen wir besser nicht vergleichen…

In jedem Fall war für jeden etwas dabei: Spannung, Kurzweile, Fremdschämen (#Tenor), Inkompetenz, Begeisterung, Entertainment, Professionalität, große Emotionen, spannende Themen.

Fazit: Präsentieren ist nicht jedermanns Sache und entscheidet, wenn es eng wird bei einer Entscheidung. Und was das Thema Crossmedia angeht, ja, da ist noch – jedenfalls in der Masse – reichlich Luft nach oben. Aber bitte nicht falsch verstehen: Technik gut, richtig und zielgenau eingesetzt ist bisweilen grandios – nur um ihrer selbst willen kann sie aber genauso schnell sperrig, kompliziert, deplaziert, bemüht und desaströs wirken.

Ich freue mich auf das nächste Jahr, sage danke für die Einladung und großen Respekt an alle Beteiligten, besonders den 5 Kandidaten, die sich bis ins Finale gekämpft haben.

Wer wagt, gewinnt!

Who dares wins is something rather rarely practiced these days – at least in (German) politics. To enter a competition and to face the vote of jury and audience takes courage, drive and hard work. At yesterdays Crossmedia event in Hamburg – Neptun Award 2011 – attendants could experience all of this, and even more.

From my point of view, all the modern communications stuff is worth nothing without the human touch and the related emotions. Technique and gadgets just for the sake of themselves don’t amount to anything, but cleverly added might be that little difference between good and overwhelming.

I like the event – even before yesterday from the stories I heard about it – and am already looking forward to visiting it again next year. All in all, being there, one could witness again how important it is to think outside of the box.

A big thanx & respect for all those who have been involved in the event. See you next year!

Mediacoffee vs. Alstercoffee 0:4

Der Rahmen für den mediacoffee von news aktuell in Hamburg am vergangenen Mittwochabend war vielversprechend: Thema, Zeitpunkt und vor allem die Besetzung der Diskussionsrunde deuteten auf einen interessanten Abend hin. Nun ist es zum einen so gewesen, dass ich mich schon vor Wochen angemeldet hatte – Giovanni di Lorenzo mal live zu sehen, dazu noch bei der Themenvorgabe, war Grund genug. Zum anderen kann ein Teil der folgenden Schilderung nur aus zweiter Hand erfolgen.

Letzteres ist dann auch das Zentrum dieses Beitrags – das Epizentrum gewissermaßen. Ich war nämlich fünf Minuten zu spät erschienen, und man bzw. frau(en) wollte mich nicht mehr rein lassen. Da half auch nicht der Hinweis, dass meine Freundin drinnen samt freigehaltenem Platz auf micht wartete. Was tun? Ärgern, entspannen oder randalieren? Zumindest verbal etwas Gas zu geben war durchaus verlockend, angesichts des wunderbaren Frühsommerwetters allerdings pure Energieverschwendung. Der Hinweis, ich könne aber im Nebengebäude gerne den Live-Stream verfolgen, – wir befanden uns auf dem Gelände der Bucerius Law School – brachte mein Blut dann doch noch einmal in Wallung, will sagen: ich kam mir etwas verarscht vor.

Aber nur etwas, denn dazu gehören ja auch immer zwei Parteien. Nun ist es ja so, dass sowohl das sofortige Twittern der Situation (mein erster Tweet dazu lief direkt im Auditorium auf der Twitter Wall auf, grins), als auch dieser Text, den Eindruck erwecken könnten, ich tue mir in der beschriebenen Situation doch ein bisschen selber Leid. Daher versuchte ich, meine Finger und Gedanken etwas zu kontrollieren. Ich versuchte gewissermaßen auf Konter zu spielen, um die Fußballersprache zu bemühen. Ein Unentschieden hätte mir auch gereicht, oder ein knappes 1:0. Doch wie der weitere Verlauf noch zeigen sollte, lagen noch vier Tore und wenig Gegenwehr in der Luft – davon allein zwei Eigentore.

Jetzt beginnt der Teil, den ich mir aus Tweets, Nachberichten und „Zeugenaussagen“ rekonstruieren muss: Da ich selbst seit vielen Jahren im Eventmanagement tätig bin, kann ich zum Teilnehmermanagement der Veranstaltung nur sagen: Angemeldete Teilnehmer abzuweisen und den Raum offensichtlich deutlich zu überbuchen, sind No-Gos, mit denen man eine Veranstaltung oder Veranstaltungsreihe problemlos versenken kann. Vielleicht sieht man das bei news aktuell anders oder ist zu groß für kleine, flexible Bewegungen. In jedem Fall ging ich so problemlos in Führung. (Für die weitere Dokumentation des Spielverlaufs verweise ich gerne auf meine Timeline bei Twitter – Tweets vom 20. April 2011.)

Das Wetter baute für mich den Vorsprung mühelos und mit Leichtigkeit aus. Wozu Lebenszeit mit Ärger, schlechter Luft und, soll ich vorgreifen? – mit wenig Inhalt und schlechter Moderation verschwenden? Letzteres brachte mich uneinholbar in Führung und geleitete mich zur Außenalster und einem rasanten 11-Kilometer-Lauf – irgendwo muss der Frust dann ja doch bleiben.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass weder das Thema der Veranstaltung getroffen wurde, noch der „Moderator“ den Sinn einer Podiumsdiskussion erfasst hatte. Am Ende war es fast eine glückliche Fügung für mich und ich konnte sagen: Et kütt wie et küüt. Gut, das Essen hinterher sei sehr gut gewesen, hörte ich, und, ja, das war auch Teil meines Ärgers, denn ich hatte nicht wirklich Zeit zum Essen tagsüber gehabt und auf den Abend gehofft und vertraut.

Die Menschen, die Atmosphäre und die eine Persönlichkeit hätte ich doch gerne gesehen, gehört und gespürt. Doch tatsächlich hörte ich nur, es sei wie folgt gewesen: Laaaaaaaaangweiliiiig!

Sie haben im Lotto eine Penisverlängerung gewonnen!

Zugegeben – diese kummulative Gewinnaussicht ist fast noch unwahrscheinlicher als sechs Richtige mit Zusatzzahl, aber man kann es ja mal versuchen. Jedenfalls war das mein Gedanke, als ich heute morgen in die Zusammenfassung der gestern von meinem Provider gefilterten Spam-Nachrichten schaute.

Es sind selbstredend natürlich auch andere Top-Kombinationen möglich, vielleicht sogar ein „Dreier“! Wie wäre es zum Beispiel mit:

„Besuchen Sie mich in meinem Keller, ich gebe Ihnen den Geldkoffer persönlich, Sex erhalten Sie im Vorkeller von meiner bezaubernden, versklavten minderjährigen Assistentin bis in den frühen Morgen und sind über Nacht Millionär. Morgen früh wachen Sie auf mit zwei Schwänzen. Garantiert!“

Faszinierend an all dem ist doch der Widerspruch zwischen den tatsächlichen und vermeintlichen Bedürfnissen der Menschen. Da ist ja – vor allem online – zunächst das Bedürfnis, sich mitzuteilen. Sei es durch Bilder, Kommentare, Blogeinträge, Tweets, E-Mails etc. Letztere führen uns zu Spam-Mitteilungen und scheinen mir bei genauerer Betrachtung manchmal durchaus den einen oder anderen Absender auch selbst sexuell zu erregen. Anders kann man sich diesen Eifer kaum erklären, der natürlich automatisiert ist und damit so ziemlich alles konterkariert, was der Internet-Nutzer = Empfänger im Netz und auch im Leben sucht.

Individualität, persönliche Kommunikation, (Lebens-)Inhalt und (Lebens-)Freude – um nur ein paar Dinge zu nennen. Das sind übrigens in der deutlichen Mehrzahl alles Werte, Empfindungen und Vorgänge, die man sich auch mit einem Lottogewinn nicht kaufen kann.

Zufrieden stelle ich jetzt fest, dass in diesem Beitrag mindestens zwei überragende Schlüsselwörter für Spam-Roboter und Suchmaschinen vorhanden sind. Da bin ich jetzt ja mal gespannt!

Vielleicht reicht es am Ende sogar zu einem flotten Vierer, Fünfer oder Sechser. Dann habe ich am Ende doch noch im Lotto gewonnen…

In diesem Sinne, meine Empfehlung:

Einfach mal zuruecklehnen

Das Netz ist überall – auch in der Kunst

Die Erde ist durch Satelliten im Orbit und durch Funktürme und -masten am Boden kreuz und quer mit Funknetzen überzogen. Hinzu kommen WLAN-Netze in Hotels, Unternehmen, Häusern und Wohnungen, deren Allgegenwärtigkeit und Namen mir bereits mein Smartphone ständig vermittelt, sobald ich mich zu Fuß oder mit dem Auto durch die Stadt bewege.

Das folgende Video hat letzeres sehr kunstvoll und ästhetisch visualisiert und via Light Painting materialisiert.

Gedanken am Samstagmorgen

Ich las gestern in einem Tweet, dass man die besten Gedanken verpasse, wenn man sich nicht selbst reflektiere. Mein Reden. Viele Menschen neigen in dieser Hinsicht zu großer Bequemlichkeit, wenn nicht gar Ignoranz – die Rechnung kommt dann später.

Also abgesehen vom reduzierten Erlebnisgehalt und Erkenntnisgrad im eigenen Dasein, ist das natürlich auch eine Frage von „Reinigung“, Konstanten, Koordinaten, Zielen und Orientierung.

Gestern war auf Spiegel Online etwas über Meinungsabgleich und Filterfunktion(en) durch Facebook, Google etc. zu lesen. Ich habe dazu nur die Überschrift und das dazugehörige Bild gesehen, eine Landkarte mit Verbindungslinien bzw. Ballungszentren, scheinbar bezogen darauf, wer wo welche Meinung vertritt, widergibt oder ihr folgt.

Nun ist das Folgen ja seit Twitter etwas ganz anderes geworden oder hat zumindest im Online-Bereich eine eigene Dimension erlangt. Ich „folge“ auch, und mir wird „gefolgt“. Was ist die Folge davon und wieviel (mehr) an Meinung(en) gebe ich ungefiltert weiter oder folge ich, weil das Agenda Setting gerade entsprechend angesagt ist bzw. vorgenommen wurde?

In Nordafrika folgen die Menschen dem Ruf der Freiheit und online organisieren sie sich schnell und zielgerichtet. Das ist ein gutes und gesundes Wachstum, und letztlich folgerichtig. Denn ein Netz verbindet, und dieses spezielle Netz kann es schneller und besser als jedes andere. Es ist ja nur eine fortgeschrittene Art des Telefonierens, an dem zudem der ganze Planet teilnehmen kann – wenn er denn Zugang hat.

Dass jeder am besten seiner eigenen Nase folgen sollte, und nicht nur Trends, reinen Modeerscheinungen oder Wahnvorstellungen, versteht sich von selbst. Und da sind wir wieder bei den eigenen Gedanken.

Ich liege auf dem Sofa, tippe in mein iPhone in beachtlicher Geschwindigkeit, und spüre den gestrigen Abend in den Knochen. Eine 60-Stunden-Woche ging mit Chinese Boxing in Ottensen und einem anschließenden Umtrunk in der Nähe zu Ende. Der Raum jetzt gerade zwischen endgültigem Wachwerden und Aufwachen ist wie gemacht für diese Gedanken.

Nach knapp vier Wochen Twitter, zahllosen Tweets und viel Lachen und Kopfschütteln ist es Zeit für ein Zwischenfazit.

Die eigene Aufmerksamkeit wird in vielen, häufig zu vielen, Details gebunden. Das ist dann eine Frage der Selbsterziehung. Das eigene Verhalten ändert sich teilweise dramatisch, und das ist spätestens dann schlecht, wenn es nicht gewachsen ist, sondern durch die schlichte (technische) Möglichkeit bzw. Machbarkeit motiviert wird. Mit anderen Worten: Ich mache es dann nur noch, weil es geht oder weil ich es kann, z. B. mit Hilfe meines Smartphones. Da leidet schnell die sichtbare Aufmerksamkeit für Menschen am gleichen Ort, im gleichen Raum – was auch eine Frage von Respekt und Höflichkeit ist.

Ich kann damit umgehen. Ich bin jetzt 40 und kenne das Beste aus beiden Welten – offline sozialisiert und online weitergebildet und geschult. Doch Gespräche wie das, dessen unfreiwilliger Zeuge ich am Dienstag im Bok in Ottensen wurde, zeigen mir, dass die Facebook-Generation von heute das ohne eine intakte Begleitung der Eltern nicht mehr kann. Die eigene Wahrnehmung und die wechselseitige Wahrnehmung meiner „Freunde“ auf der Grundlage vorgegebener Raster und Technik ist letztlich gnadenlose Auslese und nicht selten der Weg in die Selbstentfremdung. Die Gesprächsthemen und vor allem die Art und Weise der (Selbst-)Darstellung sind leider zu oft oberflächlich, gänzlich wertend und noch häufiger völlig inhaltsleer.

Eins wird immer so bleiben: Das Leben ist offline und draußen. Bin ich online, bin ich erreichbar, und auf Linie – finde mich aber vielleicht selbst nicht (mehr). Wie mein Chef immer so schön sagt: „Wer nicht raus geht, kann nichts erleben.“

Ich fahre jetzt nach Blankenese zu meinem Optiker. Da wartet ein Steve McQueen-Poster auf mich. Das kann ich anfassen, verschenken oder mir in die Wohnung hängen. Neulich habe ich mir einen Fotoband von William Claxton über McQueen bestellt – gebraucht, denn das Buch gibt es nicht mehr. Ich habe es gerade in die Hand genommen und nehme mir jetzt die Zeit, es überhaupt mal richtig und aufmerksam anzusehen.

Und um so eine coole Sau wie Steve McQueen zu werden, muss man raus gehen und Dinge (er)schaffen, die auch in 50 Jahren noch den gleichen Wert haben werden – wenn es Facebook schon lange nicht mehr gibt und wir vermutlich schon über unsere Gedanken ins Netz gehen können.

Auch (am besten) an einem Samstagmorgen.

Musiktipp: „The World Is Outside“, The Ghosts (Album „The World is Outside“).

Digitales: On the Edge

Ein sehr interessanter Artikel über den amerikanischen Literaturagenten John Brockman zu dessen 70. Geburtstag stand gestern in der SZ. Die Wurzeln des digitalen Denkens beschreibt ihn als Moderator, Agenten und Netzwerker der Digitalen Welt, ohne dabei auf sein eigentliches Medium zu verzichten – das Buch.

In Die Zweimilliardenfrage war ich schon einmal auf ihn gestoßen. Sobald der Text online verfügbar ist, werde ich ihn hier verlinken.

Am Ende des Artikels bestätigte mich der Hinweis auf seine geplante Geburtstagsfeier und die früher so oft von ihm inszenierten Dinnerparties in meinem Empfinden über Projektbesprechungen: neue Ideen werden befeuert und geboren, in dem Menschen miteinander sprechen – im gleichen Raum, auf der gleichen Wellenlänge.

Das geht auch analog.