Eine Frage der Sicht

Letzten Freitag war ein Feiertag: Konzert der Editors im Docks In Hamburg. Monatelang drauf gefreut, gerade so noch im Juni (überteuerte) Karten ergattert, Lieblingslocation – was will man mehr an einem Freitagabend außer vielleicht einer guten Sicht?

Alles eine Frage des Blickwinkels.

Kaum waren wir drinnen, saßen wir auch schon in der Falle: nix Stempel, nix nochmal raus und wieder rein kommen. Der kleine Hunger musste also drinnen bleiben. Hab‘ mir dann trotzdem zwei Bierchen gegönnt und als ich etwas gedankenverloren im Seitenbereich gegenüber der Bar mit Blick auf den T-Shirtstand saß, rollte plötzlich ein Mann mit Sauerstoffmaske in seinem Rollstuhl an mir vorbei.

Docks_Editors

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Wählen muss man immer

Eins gleich vorweg: Dies ist kein Beitrag zur Unterstützung einer bestimmten Partei. Mein heutiger Blogeintrag richtet sich vielmehr gegen das von Frau Merkel eingerichtete System der präsidialen Verwaltung und soll ein Aufruf sein, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Beides – Merkels Politikstil und das Nichtwählen – sind Totengräber einer aktiven Demokratie.

Geistige Lähmung und verbaler Durchfall – auch bei sogenannten Intellektuellen. Das ist bei Nichtwählern recht weit verbreitet. Was in der SPIEGEL-Titelgeschichte in dieser Woche dazu zu lesen war, ist schwer zu ertragen. Die Lähmung hat sich seit 2005 schleichend ausgebreitet, sehr zum Verdienst der amtierenden Bundeskanzlerin. „Die Vielfarbenkanzlerin“ wurde das in den Medien mal genannt – zutreffend. Man könnte es auch Präsidialstil, Verwaltungschefin, Aussitzerin, Machtphysik oder Königin der (Macht-)Beliebigkeit nennen.

Bulb Meadow Festival

Und nein!, es geht dabei nicht (allein!) darum, Mehrheiten zu organisieren (das kann man übrigens auch mit Vernunft und Sachverstand parteiübergreifend tun), sondern um die Mutlosigkeit unserer Volksvertreter. Letzteres mit dem ewigen Totschlagargument „Die-haben-alle-Angst-nicht-wiedergewählt-zu-werden“ garniert und dazu mit einem an Charisma-Armut, Sprachunkunst (Herr Rösler, setzen – Sechs!) und Verpackungswahrheiten versetzt, so dass man es schon nicht mal mehr wagt, von einer Persönlichkeit mit Ausstrahlung wie Obama zu träumen (ich rede dabei von der Person und nicht von Inhalten).

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7 Tage off – ¡Boludo!

Dreieinhalb Wochen Südamerika – genauer gesagt Kolumbien – liegen hinter mir. Durch die vielen Geschichten aber, die ich durch Argentinier, Mexikaner, Ecuadorianer, Spanier und natürlich Kolumbianer in dieser Zeit gehört habe, fühlt es sich so an, als sei ich auch in Brasilien, Chile, Argentinien und einigen anderen Ländern des Halb-Kontinents gewesen.

Santa Marta Dusk Waters

Santa Marta Dusk Waters

Ich weiß jetzt, wie Brasilien (Brasil) in brasilianischem Portugiesisch ausgesprochen wird [Brrrasiu], wie man in argentinischem Spanisch flucht [¡Boludo!], dass in Chile beim Sprechen die Oberlippe nahezu nicht zum Einsatz kommt, und dass man in Kolumbien kein Klopapier in die Toilette werfen sollte.

Vor allem aber habe ich wunderbare Menschen kennen gelernt.

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Der Standpunkt

Folgenden Text, den ich verloren glaubte, fand ich heute in den Untiefen der iCloud wieder. Er entstand während der unten geschilderten Situation vor nahezu exakt einem Jahr auf dem Flug von Hamburg nach Budapest. Bitte bleiben Sie während des Lesens angeschnallt!

Sind Sie auch schon mal mit dem Flugzeug geflogen? Hat da auch schon mal jemand in Ihrer Nähe gesessen, der einen eigenen Standpunkt hatte? Also einen Horizont mit einem Radius von Null?

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Ein nach eigener Aussage vielgereister junger Mann, der gerne von der „Gesellschaft“, „schlimmen“ Dingen und davon spricht wie man, also er, Dinge handhaben sollte. Rege ich mich gerade auf? Entgegen sonstigen Gepflogenheiten überhaupt nicht. Die Fassungslosigkeit allerdings, mit der ich auf die unsäglichen Parolen, das unfassbar politisch korrekte Weltbild und die Altklugheit aus der Reihe hinter mir reagiere, sind grenzenlos.

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Vor der eigenen Tür kehren – Auch Du, Muttilein!

Es ist äußerst beliebt, mit dem Finger auf andere zu zeigen, anstatt die Gründe für Misserfolg bei sich selbst zu suchen. Irgendwann muss man aber bei sich selbst hinsehen – es hilft nichts (anderes). Manchmal hilft einfach nur Abstand. Ohne tägliches Bemühen geht es aber nicht.

Bevor ich zu dem komme, was mich persönlich und aus mir heraus gerade betrifft, sei ein kleiner Abstecher in die deutsche Politik gestattet. Die betrifft mich als 42-jährigen Wähler spätestens im September bei der kommenden Bundestagswahl wieder, allerdings genauso an jedem einzelnen Tag – direkt vor meiner Tür.

Quadriga Italia_Roma

Quadriga Italia_Roma

Angela Merkel würde ich gerne als Bundeskanzlerin im Herbst verabschieden. Sie führt die schlechteste Regierung seit 1949 und verwaltet sich und ihren Machterhalt zu Tode. Vielmehr würde ich aber ihr Politiksystem verabschieden, denn es ist nur auf besagten Machterhalt, eine rückgratslose, beliebige Politik ohne Überzeugungen und damit ein von Frau Merkel perfektioniertes präsidiales Regieren ausgelegt. Sie ist vielmehr Präsidentin, als Kanzlerin. Sie macht reibungslose Politik – mit verheerenden Folgen. Das Schlimmste und Unerträglichste: Sie erfreut sich großer Beliebtheit, weil sie an der von ihr geführten Regierung scheinbar unbeteiligt ist.

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It’s a Message for You

Certe volte guardo il mare,
questo eterno movimento,
ma due occhi sono pochi per questo immenso
e capisco di esser solo
e passeggio dentro il mondo
ma mi accorgo che due gambe non bastano
per girarlo e rigirarlo.

e se è vero che ci sei
batti un colpo amore mio
ho bisogno di dividere
tutto questo insieme a te