Leave It Alone (Teil 2) – Ein April voller großer und kleiner Abschiede

Vorgestern Morgen um fünf, als ich bereits das zweite Mal aufwachte, fand ich keinen weiteren Schlaf. Es war keine traumlose Nacht gewesen. Im Gegenteil: noch recht frisch war die Erinnerung an mindestens zwei, eher unangenehme Träume. Sollte sich das intensive Träumen der vergangenen Tage weiter fortsetzen oder war der Gipfel jetzt erreicht?

Seit Tagen träume ich intensiv und erschöpfend. Die Verarbeitungsmaschine läuft offensichtlich auf Hochtouren. Und wie auch im gesamten April sind die Träume durchzogen von den beiden Themen Abschied und Tod. Ist es in einem Traum die Beerdigung des Vaters, oder im anderen, gleich anschließenden „nur“ die spurlos verschwundene Welt, in der ich bis eben noch gelebt hatte. Einfach niemand mehr da, den ich kenne. Plötzlich allein.

Wach. Nicht ganz allein. Neben mir liegt jemand. Vertraut. Und die Alphawellen tun ihre Arbeit…

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Wählen muss man immer

Eins gleich vorweg: Dies ist kein Beitrag zur Unterstützung einer bestimmten Partei. Mein heutiger Blogeintrag richtet sich vielmehr gegen das von Frau Merkel eingerichtete System der präsidialen Verwaltung und soll ein Aufruf sein, am Sonntag zur Wahl zu gehen. Beides – Merkels Politikstil und das Nichtwählen – sind Totengräber einer aktiven Demokratie.

Geistige Lähmung und verbaler Durchfall – auch bei sogenannten Intellektuellen. Das ist bei Nichtwählern recht weit verbreitet. Was in der SPIEGEL-Titelgeschichte in dieser Woche dazu zu lesen war, ist schwer zu ertragen. Die Lähmung hat sich seit 2005 schleichend ausgebreitet, sehr zum Verdienst der amtierenden Bundeskanzlerin. „Die Vielfarbenkanzlerin“ wurde das in den Medien mal genannt – zutreffend. Man könnte es auch Präsidialstil, Verwaltungschefin, Aussitzerin, Machtphysik oder Königin der (Macht-)Beliebigkeit nennen.

Bulb Meadow Festival

Und nein!, es geht dabei nicht (allein!) darum, Mehrheiten zu organisieren (das kann man übrigens auch mit Vernunft und Sachverstand parteiübergreifend tun), sondern um die Mutlosigkeit unserer Volksvertreter. Letzteres mit dem ewigen Totschlagargument „Die-haben-alle-Angst-nicht-wiedergewählt-zu-werden“ garniert und dazu mit einem an Charisma-Armut, Sprachunkunst (Herr Rösler, setzen – Sechs!) und Verpackungswahrheiten versetzt, so dass man es schon nicht mal mehr wagt, von einer Persönlichkeit mit Ausstrahlung wie Obama zu träumen (ich rede dabei von der Person und nicht von Inhalten).

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Der Standpunkt

Folgenden Text, den ich verloren glaubte, fand ich heute in den Untiefen der iCloud wieder. Er entstand während der unten geschilderten Situation vor nahezu exakt einem Jahr auf dem Flug von Hamburg nach Budapest. Bitte bleiben Sie während des Lesens angeschnallt!

Sind Sie auch schon mal mit dem Flugzeug geflogen? Hat da auch schon mal jemand in Ihrer Nähe gesessen, der einen eigenen Standpunkt hatte? Also einen Horizont mit einem Radius von Null?

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Ein nach eigener Aussage vielgereister junger Mann, der gerne von der „Gesellschaft“, „schlimmen“ Dingen und davon spricht wie man, also er, Dinge handhaben sollte. Rege ich mich gerade auf? Entgegen sonstigen Gepflogenheiten überhaupt nicht. Die Fassungslosigkeit allerdings, mit der ich auf die unsäglichen Parolen, das unfassbar politisch korrekte Weltbild und die Altklugheit aus der Reihe hinter mir reagiere, sind grenzenlos.

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Vor der eigenen Tür kehren – Auch Du, Muttilein!

Es ist äußerst beliebt, mit dem Finger auf andere zu zeigen, anstatt die Gründe für Misserfolg bei sich selbst zu suchen. Irgendwann muss man aber bei sich selbst hinsehen – es hilft nichts (anderes). Manchmal hilft einfach nur Abstand. Ohne tägliches Bemühen geht es aber nicht.

Bevor ich zu dem komme, was mich persönlich und aus mir heraus gerade betrifft, sei ein kleiner Abstecher in die deutsche Politik gestattet. Die betrifft mich als 42-jährigen Wähler spätestens im September bei der kommenden Bundestagswahl wieder, allerdings genauso an jedem einzelnen Tag – direkt vor meiner Tür.

Quadriga Italia_Roma

Quadriga Italia_Roma

Angela Merkel würde ich gerne als Bundeskanzlerin im Herbst verabschieden. Sie führt die schlechteste Regierung seit 1949 und verwaltet sich und ihren Machterhalt zu Tode. Vielmehr würde ich aber ihr Politiksystem verabschieden, denn es ist nur auf besagten Machterhalt, eine rückgratslose, beliebige Politik ohne Überzeugungen und damit ein von Frau Merkel perfektioniertes präsidiales Regieren ausgelegt. Sie ist vielmehr Präsidentin, als Kanzlerin. Sie macht reibungslose Politik – mit verheerenden Folgen. Das Schlimmste und Unerträglichste: Sie erfreut sich großer Beliebtheit, weil sie an der von ihr geführten Regierung scheinbar unbeteiligt ist.

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It’s a Message for You

Certe volte guardo il mare,
questo eterno movimento,
ma due occhi sono pochi per questo immenso
e capisco di esser solo
e passeggio dentro il mondo
ma mi accorgo che due gambe non bastano
per girarlo e rigirarlo.

e se è vero che ci sei
batti un colpo amore mio
ho bisogno di dividere
tutto questo insieme a te

Leben. Eben. Noch. Und schon anders.

Das einzig Beständige im Leben sind der Wandel und die Veränderung. Wenn man das begriffen hat, akzeptieren kann und auch wirklich so empfindet, dann kann das Leben los gehen.

Bei manchen Menschen dauert es etwas länger, andere lernen es nie. Ich glaube, dass ich mich mittlerweile zu der ersten Kategorie zählen darf. Und ja, es hat wirklich lange gedauert. Aber besser spät, als gar nicht. Denn sonst bleibt nur noch ein humorvoller Titel einer Romanfigur-Anleihe und ein kurzer Weg zum letzten Hemd – Titel: Der alte Mann und das geht gar nicht Mehr.®

Der Vater von einem sehr guten Freund, welcher gerade geheiratet hat, sagte letzte Woche zu mir: „Nichts ist schwerer zu ertragen, als eine Reihe von guten Tagen.“ Wo er Recht hat, da hat er Recht. Eine grandiose, sonnige, warmherzige und gesellige Woche ging gestern zu Ende, und Glück und Unglück liegen sehr nah beieinander. Anders kann es auch nicht sein, denn sonst würde man das Glück nicht so zu schätzen wissen.

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