Eine Frage der Sicht

Letzten Freitag war ein Feiertag: Konzert der Editors im Docks In Hamburg. Monatelang drauf gefreut, gerade so noch im Juni (überteuerte) Karten ergattert, Lieblingslocation – was will man mehr an einem Freitagabend außer vielleicht einer guten Sicht?

Alles eine Frage des Blickwinkels.

Kaum waren wir drinnen, saßen wir auch schon in der Falle: nix Stempel, nix nochmal raus und wieder rein kommen. Der kleine Hunger musste also drinnen bleiben. Hab‘ mir dann trotzdem zwei Bierchen gegönnt und als ich etwas gedankenverloren im Seitenbereich gegenüber der Bar mit Blick auf den T-Shirtstand saß, rollte plötzlich ein Mann mit Sauerstoffmaske in seinem Rollstuhl an mir vorbei.

Docks_Editors

Docks_Editors

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Night Nurse

Es kommt immer mal wieder vor, dass ich bis spät in die Nacht im Büro sitze oder zu Hause noch arbeite. So lange dies geschieht, weil ich mit Hingabe eine Aufgabe erledige, ist das kein Problem. Überhaupt bietet der Tag ab Mitternacht eine Menge positive Aspekte.

In jedem Fall ist klar, dass kaum das Telefon um diese Uhrzeit klingeln wird. Ausnahme, ein Freund ruft aus Kalifornien an, da sein Tag gerade erst begonnen hat – so wie gerade eben. Wenn man dann ein solches Gespräch über FaceTime führt, sieht derjenige wenigstens gleich, dass bei mir von Tageslicht keine Rede mehr sein kann.

Geisterschiff

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Traumdusche & Kinderfänger

Vorgestern am späten Nachmittag lag ich etwas fertig auf dem Sofa bei Freunden und leckte meine Wunden. Am Vortag und der darauf folgenden Nacht hatte ich einen Junggesellenabschied mitgefeiert. Von Paintball, über reichlich Essen, mindestens einem Cocktail zu viel, bis hin zur Kiezparade in der Großen Freiheit war fast alles dabei – bis auf Schlaf. Danach war mir jetzt.

Aber natürlich nicht dran zu denken. Allein schon, weil die beiden Töchter meiner Freunde noch reichlich Alarm machten. Ich lag auf der rechten Seite und hier und da spürte ich die zahlreichen blauen Flecken und Abdrücke der Paintball-Geschosse, die mich am Vortag getroffen hatten. Zur Ablenkung hätte ich gerne eine Traumdusche gehabt.

Pigs can fly

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First time @ Neptun Award

Gestern fand im vom Aussterben bedrohten Kino Streit’s am Jungfernstieg in Hamburg der Neptun Award 2011 statt. Ich war vor Ort – und multimeditierte mir die Finger am iPhone wund. Das Event zeichnet jährlich im Wettbewerb von 5 Finalisten die beste Crossmedia-Kampagne des Jahres aus. Die für die jeweilige Kampagne verantwortliche Agentur muss vor Fachjury und Publikum performen und in 20 Minuten mit oder ohne Einspielfilme die Kampagne und deren Stringenz erklären bzw. vermitteln.

Hier der Mitschnitt der gelungen Erklärung der Veranstaltung von Moderator Harald Kratel:

Ich twitterte mir währenddessen die Finger wund, machte Fotos, drehte kurze Filme (leider keinen von der genialen „Show“ der Rampensau von Scholz & Friends), und notierte und SMSte die Einzelnoten für die Abstimmung zu jeder Präsentation. Die Timeline bei Twitter unter #neptun11 zeigt recht gut den Verlauf des Events und die „Diskussionen“ im Verlauf. Am Ende schlägt Meister (Scholz & Friends für Mercedes) den Meister der Herzen (kempertrautmann für die Initiative Vermisste Kinder) äußerst knapp, aber nicht unverdient. Das Budget der beiden Agenturen wollen wir besser nicht vergleichen…

In jedem Fall war für jeden etwas dabei: Spannung, Kurzweile, Fremdschämen (#Tenor), Inkompetenz, Begeisterung, Entertainment, Professionalität, große Emotionen, spannende Themen.

Fazit: Präsentieren ist nicht jedermanns Sache und entscheidet, wenn es eng wird bei einer Entscheidung. Und was das Thema Crossmedia angeht, ja, da ist noch – jedenfalls in der Masse – reichlich Luft nach oben. Aber bitte nicht falsch verstehen: Technik gut, richtig und zielgenau eingesetzt ist bisweilen grandios – nur um ihrer selbst willen kann sie aber genauso schnell sperrig, kompliziert, deplaziert, bemüht und desaströs wirken.

Ich freue mich auf das nächste Jahr, sage danke für die Einladung und großen Respekt an alle Beteiligten, besonders den 5 Kandidaten, die sich bis ins Finale gekämpft haben.

Wer wagt, gewinnt!

Who dares wins is something rather rarely practiced these days – at least in (German) politics. To enter a competition and to face the vote of jury and audience takes courage, drive and hard work. At yesterdays Crossmedia event in Hamburg – Neptun Award 2011 – attendants could experience all of this, and even more.

From my point of view, all the modern communications stuff is worth nothing without the human touch and the related emotions. Technique and gadgets just for the sake of themselves don’t amount to anything, but cleverly added might be that little difference between good and overwhelming.

I like the event – even before yesterday from the stories I heard about it – and am already looking forward to visiting it again next year. All in all, being there, one could witness again how important it is to think outside of the box.

A big thanx & respect for all those who have been involved in the event. See you next year!

Mediacoffee vs. Alstercoffee 0:4

Der Rahmen für den mediacoffee von news aktuell in Hamburg am vergangenen Mittwochabend war vielversprechend: Thema, Zeitpunkt und vor allem die Besetzung der Diskussionsrunde deuteten auf einen interessanten Abend hin. Nun ist es zum einen so gewesen, dass ich mich schon vor Wochen angemeldet hatte – Giovanni di Lorenzo mal live zu sehen, dazu noch bei der Themenvorgabe, war Grund genug. Zum anderen kann ein Teil der folgenden Schilderung nur aus zweiter Hand erfolgen.

Letzteres ist dann auch das Zentrum dieses Beitrags – das Epizentrum gewissermaßen. Ich war nämlich fünf Minuten zu spät erschienen, und man bzw. frau(en) wollte mich nicht mehr rein lassen. Da half auch nicht der Hinweis, dass meine Freundin drinnen samt freigehaltenem Platz auf micht wartete. Was tun? Ärgern, entspannen oder randalieren? Zumindest verbal etwas Gas zu geben war durchaus verlockend, angesichts des wunderbaren Frühsommerwetters allerdings pure Energieverschwendung. Der Hinweis, ich könne aber im Nebengebäude gerne den Live-Stream verfolgen, – wir befanden uns auf dem Gelände der Bucerius Law School – brachte mein Blut dann doch noch einmal in Wallung, will sagen: ich kam mir etwas verarscht vor.

Aber nur etwas, denn dazu gehören ja auch immer zwei Parteien. Nun ist es ja so, dass sowohl das sofortige Twittern der Situation (mein erster Tweet dazu lief direkt im Auditorium auf der Twitter Wall auf, grins), als auch dieser Text, den Eindruck erwecken könnten, ich tue mir in der beschriebenen Situation doch ein bisschen selber Leid. Daher versuchte ich, meine Finger und Gedanken etwas zu kontrollieren. Ich versuchte gewissermaßen auf Konter zu spielen, um die Fußballersprache zu bemühen. Ein Unentschieden hätte mir auch gereicht, oder ein knappes 1:0. Doch wie der weitere Verlauf noch zeigen sollte, lagen noch vier Tore und wenig Gegenwehr in der Luft – davon allein zwei Eigentore.

Jetzt beginnt der Teil, den ich mir aus Tweets, Nachberichten und „Zeugenaussagen“ rekonstruieren muss: Da ich selbst seit vielen Jahren im Eventmanagement tätig bin, kann ich zum Teilnehmermanagement der Veranstaltung nur sagen: Angemeldete Teilnehmer abzuweisen und den Raum offensichtlich deutlich zu überbuchen, sind No-Gos, mit denen man eine Veranstaltung oder Veranstaltungsreihe problemlos versenken kann. Vielleicht sieht man das bei news aktuell anders oder ist zu groß für kleine, flexible Bewegungen. In jedem Fall ging ich so problemlos in Führung. (Für die weitere Dokumentation des Spielverlaufs verweise ich gerne auf meine Timeline bei Twitter – Tweets vom 20. April 2011.)

Das Wetter baute für mich den Vorsprung mühelos und mit Leichtigkeit aus. Wozu Lebenszeit mit Ärger, schlechter Luft und, soll ich vorgreifen? – mit wenig Inhalt und schlechter Moderation verschwenden? Letzteres brachte mich uneinholbar in Führung und geleitete mich zur Außenalster und einem rasanten 11-Kilometer-Lauf – irgendwo muss der Frust dann ja doch bleiben.

Fast überflüssig zu erwähnen, dass weder das Thema der Veranstaltung getroffen wurde, noch der „Moderator“ den Sinn einer Podiumsdiskussion erfasst hatte. Am Ende war es fast eine glückliche Fügung für mich und ich konnte sagen: Et kütt wie et küüt. Gut, das Essen hinterher sei sehr gut gewesen, hörte ich, und, ja, das war auch Teil meines Ärgers, denn ich hatte nicht wirklich Zeit zum Essen tagsüber gehabt und auf den Abend gehofft und vertraut.

Die Menschen, die Atmosphäre und die eine Persönlichkeit hätte ich doch gerne gesehen, gehört und gespürt. Doch tatsächlich hörte ich nur, es sei wie folgt gewesen: Laaaaaaaaangweiliiiig!

Alsterrunde, Kernerschmelze und iPad-Gelüste

Was verbinden Sie mit dem Begriff Frauenpower? Zum Beginn meiner Runde um die Außenalster heute morgen um Viertel vor Neun war es für mich jedenfalls noch etwas anderes als danach.

Ich war mehr als vier Wochen nicht gelaufen und hatte eine Zeit von etwa 40 Minuten für die siebeneinhalb Kilometer angesetzt. Alles passte perfekt zusammen: Neue Laufschuhe, Wetter noch stabil für ca. 45 Minuten, ausgeschlafen, Riesenmotivation und scheinbar ausreichend getrunken. Letzteres sollte sich als Trugschluss erweisen.

30 Sekunde nach dem Start traf ich meine Laufpartnerin, mit der ich seit 18 Monaten keine Runde mehr zustande bekommen habe. Entsprechend groß war das Hallo. Sie war allerdings schon mehr oder weniger fertig. Gemeinsames Laufen in zwei Wochen fest vorgenommen…

Die Dame, deren Rückansicht dann schon in den ersten zehn Minuten nicht näher kommen wollte, nahm ich erst gar nicht war. Wenn ich länger nicht gejoggt bin, dann laufe ich zu Beginn in der Regel nicht wirklich langsam. Das geht dann ganz von selbst, denn durch Stress, Bewegungsmangel und unerledigte Dinge, hat sich zu viel in mir aufgestaut. Jetzt kann ich es in Bewegung umsetzen.

To cut a long story short: Ich war dann direkt hinter ihr, und wollte mich einfach nur von ihr ziehen lassen, doch kaum hatte ich sie erreicht, mussten wir jemanden überholen. Dabei blickte sie sich kurz um, sah mich – und gab Gas. Und zwar richtig. Nach dem Atlantic gab ich es auf. Wozu auch? Sie war fit wie ein Turnschuh und ich lief über meinen Tagesverhältnisen. Jedenfalls: Respekt! Und gespannt sein auf ein erneutes Aufeinandertreffen.

Etwas später, etwa auf Höhe meines Lieblingsbürogebäudes mit der hübschen Adresse An der Alster 1, kamen mir Herr Kerner und seine Frau entgegen. Als Menschen kenne ich ihn nicht, und kann seine Qualitäten nicht beurteilen. Als Moderator ist er aufgrund seiner mangelnden Authentizität für mich schwer zu ertragen. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Sein sinkender Stern am deutschen TV-Himmel, falls er jemals mit echtem Licht geleuchtet haben sollte, ist ja schon so beiläufig normal, dass ich mich nicht mal mehr über seinen eher steinernen, angestrengten, wenn nicht gar verhärmten Gesichtsausdruck schon gewundert habe.

Ich würde ihm wünschen, dass der ausbleibende Erfolg bei ihm zu einem Umdenken führt. Weniger ist mehr. Wobei: Was ist Erfolg im TV? Nur die hohe Einschaltquote? Vielleicht ist die Frage nicht exakt. Was ist dauerhafter Erfolg im TV, den er ja scheinbar hatte? Sicherlich schwer erreichbar auf der Basis von inflationärer Bildschirmpräsenz. Aber das verpassen ja die meisten. Warum eigentlich? Wegen der vermeintlichen Chancen, des Geldes oder der eigenen Eitelkeit?

Ich habe ernsthaft kurz gezögert und überlegt, ihn anzusprechen. Hat so ein Mensch eigentlich einen Berater und hat so ein Berater einen Plan, eine Linie, die über den nächsten Werbevertrag hinaus geht? Die Nachhaltigkeit – leider ein inflationär benutztes Wort – des eigenen (TV-)Auftritts scheint mir jedenfalls von keinem der Beteiligten bedacht, kalkuliert oder analysiert worden zu sein. Aber wer weiß, vielleicht überrascht er uns ja alle, und wir erleben in Zukunft den „wahren“ Kerner.

Schlimmer als der Spott, den er seitens der Titanic kurz nach den Ereignissen in Japan erfuhr, geht es wohl bald kaum noch. Andererseits – Ehre, wem Ehre gebührt, und Neid muss man sich hart erarbeiten! Hat die Kernerschmelze schon ihr Endstadium erreicht?

Im Auto wartete etwas zu trinken auf mich, und der Liter war in 30 Sekunden in mir verschwunden. Die unnatürliche Gesichtsfarbe, wie meine Freundin es ausdrückte, war dann allerdings auch noch nicht verschwunden, als ich 15 Minuten später wieder zu Hause ankam.

Die Badewanne verlangt nun von Minute zu Minute lauter nach ihrem Einsatz. Zuvor griff ich noch kurz zum Telefonhörer, um meinen Freund anzurufen, der sich gestern das vor vier Wochen bestellte iPad abholen durfte. Am Vormittag war es noch nicht im Laden eingetroffen, doch der Nachmittag brachte dort einen weiteren Besuchvon DHL. Gestern Abend lag es noch unausgepackt auf seinem Wohnzimmertisch, heute morgen war das „Unpacking Event of the Year“ (so hatte es der Verkäufer im Februar beim Öffnen meiner iPhone-Verpackung genannt) bereits vollzogen – mehr aber nicht, denn Geburtstag ist erst in vier Wochen. Grins.

Ich musste mir bereits vor einigen Tagen eingestehen, dass ich mittlerweile auch gerne eins hätte. Dann bräuchten wir allerdings abends ein Losverfahren, um herauszufinden, wer es zuerst benutzen darf. Fest steht nur eins: weiß wird es nicht sein. Die Farbe reicht mir heute auf der Fahne, die ich am Atlantic beim Laufen geschwenkt habe.

Übrigens habe ich am Ende vierunddreißigeinhalb Minuten gebraucht.