Traumdusche & Kinderfänger

Vorgestern am späten Nachmittag lag ich etwas fertig auf dem Sofa bei Freunden und leckte meine Wunden. Am Vortag und der darauf folgenden Nacht hatte ich einen Junggesellenabschied mitgefeiert. Von Paintball, über reichlich Essen, mindestens einem Cocktail zu viel, bis hin zur Kiezparade in der Großen Freiheit war fast alles dabei – bis auf Schlaf. Danach war mir jetzt.

Aber natürlich nicht dran zu denken. Allein schon, weil die beiden Töchter meiner Freunde noch reichlich Alarm machten. Ich lag auf der rechten Seite und hier und da spürte ich die zahlreichen blauen Flecken und Abdrücke der Paintball-Geschosse, die mich am Vortag getroffen hatten. Zur Ablenkung hätte ich gerne eine Traumdusche gehabt.

Pigs can fly

If you believe that pigs can fly,
very soon your pig will fly!
(Francis Dunnery, „My Own Reality“, Album: „Let’s Go Do What Happens“)

Wie entspannend wäre es etwa gewesen, von fliegenden Schweinen zu träumen. Kein Lärm, keine Übelkeit, keine Kopf- oder sonstigen Schmerzen – nur das sanfte Flügelschlagen und gelegentlich ein Oink. So aber blieb mir nichts anderes übrig, als die vorangegangenen zwei Stunden, die wir auf dem Fahrrad im Klövensteen verbracht hatten, und das anschließende Essen zu verdauen.

Kinder sind unbekümmert. Als älterer Mensch kann man sie um diese Eigenschaft oft nur beneiden. Oder üben. Jedenfalls haben Kinder ihren eigenen Kopf und es ist immer wieder spannend, heraus zu finden, welche Tasten man bei ihnen drücken muss, damit sie tun, was man von ihnen will.

Am Wochenende davor war ich in meiner alten Wahlheimat Hannover. Der Samstag dort stand ganz im Zeichen des runden Leders. Vormittags bis früher Nachmittag Fußball-Turnier mit Sechsjährigen. Ich muss zugeben – als alter Fußballnarr -, dass ich gerne meinen eigenen Knirps da angefeurt hätte. Den gibt’s aber (noch) nicht. In den Pausen haben wir Knirpse uns dann meistens die Bälle hin und her gepasst. Die Frau von meinem Kumpel sagte dann immer „Na, Du Kinderfänger!“, wenn wir von der Seite des Platzes zurück zum Turnierfeld kamen. Ich habe das mal als Kompliment betrachtet.

Mit meinen drei Nichten, die ich in ihren ersten Lebensjahren zeitweise täglich gesehen und auch mitbetreut habe, weiß ich schon, was es bedeutet Kinder zu haben. Das Gefühl, Vater zu sein kenne ich natürlich dadurch nicht. Dennoch habe ich immer ein Fangnetz aus Geschichten, Mimik, Lächeln, Spielen und Humor dabei, und kann sie immer einfangen.

Am Nachmittag gab’s dann noch eine Geburtstagsfeier in einer Indoor Soccer-Halle. Ich hatte Hallenschuhe dabei, sie kamen aber nicht zum Einsatz. Und als ob das noch nicht genug gewesen wäre, gab’s ja am Abend noch das große Finale in London in der Television.

Im Traum letzte Nacht musste ich übrigens die Nichte meiner Freundin beaufsichtigen und später vor einer Horde entlaufener Geparden, Kängeruhs, Zebras und Giraffen beschützen. Mein Fangnetz war für die Tiere allerdings zu klein. Es blieb mir also nichts anderes übrig, als nach der alten Regel zu agieren: Wenn man auf der falschen Straßenseite unterwegs ist, hilft es manchmal nur noch, wenn man die bessere 100-Meter-Zeit läuft.

Das sollte mir Mut machen, denn offensichtlich kann ich in der Realität besser fangen, als im Traum.

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