Enttäuschung über verwehrten Wochenend-Spaß

Man kennt es ja nun schon: je mehr Skandal in der heimischen Liga, desto mehr „flüchtet“ die italienische Nationalmannschaft in den Erfolg. So geschehen 1982 und 2006 vor dem WM-Titelgewinn und – wie es aussieht – auch 2012.

Doch dieses Mal ist es besonders nervig, denn unter Wert geschlagen zu werden, tut besonders weh. Gestern – Achtung, Phrase! – ließ der Gegner aber kein besseres deutches Team zu. Dass die Italiener den Deutschen nicht liegen, kann man nicht nur aus der gestern erneut bestätigten Bilanz der bisherigen EM- und WM-Turniere ablesen. Es ergibt sich auch aus der Statistik der Länderspiele beider Teams gegeneinander.

Warum das so ist?

Mehmet Scholl, der übrigens mit Abstand beste mediale Begleiter des Turniers, brachte es auf den Punkt: von Kindesbeinen an sind und werden die Spieler der Squadra Azzurra taktisch geschult. Sie nehmen das Taktik-Einmaleins quasi bereits mit der Muttermilch auf. Und taktische Fehler des Gegners bestrafen sie sofort, eiskalt und effizient. Zudem lässt sie Cesare Prandelli auch konsequent nach vorne spielen. Anders kann es auch gar nicht sein, denn beim Tempo-Fußball dieser EM konnten sich selbst die Griechen nicht mehr einfach komplett hinten rein stellen. Entsprechend ansehnlich waren dann auch ihre Leistungen.

Die italienische Mannschaft ist bei aller Enttäuschung (aus deutscher Sicht) auch nicht gerade unsympathisch. Was mir besonders gut gefallen hat, waren Demut vor dem Sport und Respekt vor dem Gegner. Das spiegelte sich auch in den Kommentaren nach dem Spiel wieder. Respekt und Gratulation auch dafür.

Ich hoffe sehr – und dieser Beigeschmack bleibt leider auch seit Jahren -, dass Verfehlungen im italienischen Spielbetrieb mit allen Konsequenzen geahndet werden und sich (und uns) Spieler und Klub-Verantwortliche auch im Hinblick auf das Financial Fair Play in Zukunft mal ihre hausgemachten Skandale sparen. Spielerisch nötig haben sie es aktuell nicht, aber die Versuchung scheint ja immer wieder größer zu sein. Da Herr Berlusconi scheinbar politisch im Abseits steht und auch gesetzgeberische Tricks die Budgets und Bilanzen der italiensichen Vereine in Zukunft nicht mehr retten können, bin ich verhalten zuversichtlich.

Auch, wenn es schwer fällt: Glückwunsch, Italien! Ich drücke ihnen jetzt auch die Daumen, denn Spanien muss es nun wirklich nicht (mehr) sein. Italien ist für die Deutschen ja so etwas wie eine Hassliebe, denn die Italiener haben Stil, sie sind ein mehr als beliebtes Urlaubsland und sie besitzen die (im Fußball durchaus hilfreiche) notwendige Schlitzohrigkeit.

Mal sehen, ob sich Mario Balotelli auch im Endspiel so im Griff hat, wie bisher.

Auch, wenn es nur ein schwacher Trost ist: Weder im WM-Halbfinale 2006 gegen Italien, noch EM-Finale 2008 und WM-Halbfinale 2010 jeweils gegen Spanien war die deutsche Mannschaft in der Lage, so viel Druck aufzubauen (wie in der 2. Halbzeit gestern) und so viele Chancen zu erspielen. Das zeigt, wie gut sich das Team weiterentwickelt hat und wie gut das Spielermaterial mittlerweile ist. Ich denke, Marco Reuss wird in Zukunft immer von Anfang an spielen – Dortmund kann sich mehr als auf ihn freuen.

Ich plane seit gestern jedenfalls meinen Sommerurlaub in Brasilien 2014…

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