Den Neid der anderen muss man sich hart erarbeiten

Scheinbar gilt das nunmehr auch für Borussia Dortmund – zumindest auf nationaler Ebene. Bisher war es stets Bayern München, das sich bestimmte Einschätzungen gefallen lassen musste: von „eiskalt“, über „gnadenlose Chancenverwertung“ bis hin zum (welt-)berühmten „Bayern-Dusel“.

Ich gratuliere Borussia Dortmund zum verdienten Gewinn nicht nur der Meisterschaft, sondern jetzt auch des DFB-Pokals. Das erste Double in der 103-jährigen Vereinsgeschichte.

Wie ist das nun mit dem „BVB-Dusel“? Oder nutzt Dortmund nur eiskalt und hocheffizient seine (Konter-)Chancen?

Als nicht ganz objektiver Beobachter stelle ich fest, dass die Herren Reif und Réthy (letzterer beim ZDF übrigens immer noch Erbe des ersteren – ein Umstand, der fast 20 Jahre nach dem Erbfall den Wunsch nach Verrentung immer größer werden lässt) nicht geeignet sind, diese Fragen adequat zu kommentieren, geschweige denn zu beantworten.

Wie ist das nun mit dem Neid der anderen? Jürgen Klopp hat seine Mannschaft und Spielphilosophie über 4 Jahre in Ruhe und ohne Titel-Druck aufbauen können. Dem gebührt mehr als Respekt. Im Grunde hat er (notgedrungen) ähnliches getan, wie Joachim Löw mit dem kompromisslosen Einbau von Jungspielern in der Nationalmannschaft.

Bleibt abzuwarten, wie sich der BVB (finanziell) weiter entwickelt. Die Verpflichtung von Marco Reuss weist erstaunliche Parallelen zum Transfer des heutigen Dortmunder Kapitäns – übrigens mein (Dortmunder) Spieler der Saison -, zu Sebastian Kehl, vor gut zehn Jahren auf.

Damals war Bayern München ebenfalls an dem Spieler „interessiert“, zog aber in Zeiten Niebaumscher und Meierscher „Großzügigkeit“ den Kürzeren. Ich kann mir bei Susi Zorc und Herrn Watzke zwar nur schwer vorstellen, dass sie ähnliche Vabanque-Spiele treiben werden wie die Entscheider in den 90er-Jahren, aber der Druck auch finanziell ein höheres Risiko zu gehen, wird eher zu- als abnehmen.

Borussia Dortmund ist neben Bayern München der einzige deutsche Champions League-Sieger. Im Gegensatz zum Rekordmeister hatte der frisch gebackene Double-Gewinner allerdings zuletzt wenig Argumente, um den Borsig-Platz vorzuheizen oder gar mit Dauerkartenbesitzern zu füllen, um ihnen Beweise ihrer internationalen Konkurrenzfähigkeit entgegen zu strecken.

Ob sich dieser Umstand in der kommenden Champions League-Saison anders gestalten wird? Auch dies bleibt abzuwarten. Das Team hat ohne Zweifel innerhalb kürzest möglicher Zeit (internationale) Erfahrung gesammelt, den Weggang von Leistungsträgern (z. B. Sahin) souverän gemeistert und verfügt über eine eingespielte, zusammengewachsene und extrem begeisterungsfähige Belegschaft.

Das hat aber in der vergangenen Saison nicht einmal für den Trostpreis – das Erreichen der Europa League als Dritter der CL-Gruppenphase – gereicht. 2012/2013 sollte der BVB das Potential besitzen, um (erstmals seit 1998?) das Achtelfinale zu erreichen. Nicht zuletzt auch durch das indiskutable internationale Abschneiden in diesem Jahr findet man sich jedoch schnell in einem Lostopf mit Barcelona, Madrid, Mailand, Manchester oder Chelsea wieder. Und dann, siehe Werder Bremen, reichen auch Top-Leistungen im direkten Vergleich oftmals nicht zum Weiterkommen.

Die internationale Reifeprüfung liegt also noch vor dem gelb-schwarzen Jungspunden. Diesen besonderen Teil des Neides muss man sich auch besonders hart und vor allem jede Saison auf's Neue erarbeiten. Der FC Bayern tut das seit 40 Jahren, Dortmund bisher nur sporadisch und in jüngster Vergangenheit gar nicht. Es wäre mehr als wünschenswert, wenn sich das schnell änderte, damit der Dusel-Verein aus München nicht wie fast jedes Jahr nahezu allein die Punkte für die UEFA-Wertung besorgen muss.

Auf dem Papier standen die deutschen Vereine letztmalig zwischen 1997 und 2002 (siehe auch Bayer Lever- alias „Vizekusen“) so gut da. Damals ging damit auch die letzte Dortmunder Ära zu Ende.

Die neue hat gerade erst so richtig begonnen. Wie „nachhaltig“ sie ist, wird sich schon ab August zeigen.

Sportlich gesehen ist Borussia Dortmund aktuell die Nr. 1 im deutschen Fußball – kein Zweifel. In der Gesamtbetrachtung bleibt es Bayern München. Niemand sollte sich auch sportlich von der gestrigen desolaten Abwehrleistung der Münchner täuschen lassen: bis zum Dortmunder Elfmeter hat in der 1. Halbzeit 40 Minuten nur eine Mannschaft gespielt, und die hatte weniger „Dusel“ als der neue Pokalgewinner bei Lattentreffer, 11er-Zittertor und vor allem Timing…

Der geneigte Leser wird es bereits bemerkt haben: meinen „Neid“ hat Jürgen Klopp's Truppe sich bereits erarbeitet.

 

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