Worum geht es nun also?

Als ich mich heute im Laufe eines früh beginnenden Sonntags – oder war es bereits gestern? – fragte, warum ich eigentlich bei all meiner grundsätzlichen „Abneigung“[*] gegenüber Twitter und Facebook diesen Blog betreibe – abgesehen vom Vergnügen an endlosen Sätzen wie diesem -, da kam mir in den Sinn, dass ich vielleicht mal wieder über meine ursprünglichen Motive nachdenken sollte, um diese Frage zu beantworten.

[* Die grundsätzliche Abneigung ist eher eine grundlegende Skepsis, die vor allem bedeutet, dass ich etwas nur mache, wenn ich es gut finde, und nicht etwa deshalb tue, weil (fast) alle es machen. Die grundsätzliche Abneigung ist gerade eher eine Abneigung, die sich aus einer (Über)Anstrengung aufgrund von Übermaß darstellt. Mir ist das alles zu viel, und ich kann nicht erkennen, wo das hinführen soll. Gewiß, niemand zwingt mich, das alles anzuschauen oder zu verarbeiten, aber allein die Vorstellung, was täglich an Datenmüll produziert wird, bringt mich nicht wirklich nach vorne.]

Schreiben wollte ich. Und (es) veröffentlichen. Doch die Öffentlichkeit suchte ich nicht, suche ich noch immer nicht. Ich wollte mir das Schreiben erhalten, und mich zum Schreiben bewegen, wenn nicht gar zwingen. Es sollte etwas eigenes sein – wie der Name schon verrät.

In der vergangenen Woche drehte sich ja alles mehr oder minder nur um WikiLeaks und vielleicht sollte sich jeder mal grundsätzlich überlegen, wie er/ sie es fände, wenn seine/ ihre Kontoauszüge oder ähnliches frei zugänglich im Netz auftauchten. Besser verstanden habe ich die Motive von Julian Assange erst nach der Lektüre eines Artikels in der SZ: Der Gegenverschwörer.

Wir verspeisen uns gerade selbst: Das was wir gut finden und haben wollen, geschieht auf Kosten anderer, und das, was wir kritisieren, befeuern wir selbst mit unserer (Neu)Gier. Teil der Maschine zu sein reicht irgendwann nicht mehr, und aus Prinzip gegen den Strom zu schwimmen geht bei Zeiten über die Kräfte und ist nicht minder „spießig“ als die angepassteste Konformität.

Und am Ende ist es so, wie ich es mir gedacht habe. Nur müssen dabei alle zusehen, zuhören oder mitlesen? Dies gilt auf wundersame Weise für meine Ausgangsfrage und auch für das Thema dieser Tage: Am Ende muss ich mich mit mir selbst auseinandersetzen. Das ist anstrengend, kann fürchterlich sein, tut mitunter weh, hört nie auf und ist doch mehr als nur reiner Selbstzweck.

Als ich meine Nichten heute Abend zu Bett brachte, fragte ich sie, was sie denn werden wollen. Tierärztin sagte die eine, Modedesignerin die zweite und die dritte, ja, sie wollte lieber nochmal eine Nacht darüber schlafen.

Was wir einmal werden wollten ändert sich im Lauf der Jahre in der Regel mehrfach und erlebnisbedingt. Was wir aber geworden sind, lässt sich nur noch mit größter Anstrengung korrigieren. Dabei ist alles einmal da gewesen und auch noch da, das ist mir heute Abend wieder klar geworden. Wenn der Rahmen auch gesteckt sein mag, über das Handeln bestimme ich doch immer noch selbst. Wenn ich denn weiß, wer ich bin oder es zumindest herausfinden möchte.

Hätte man die Antwort auf meine Frage nicht auch in einem Satz geben können?