Letzter Essay von Tony Judt

Auch wenn ich den Titel und Untertitel des Beitrags Berliner Provinz aus dem SPIEGEL zumindest für unglücklich halte, so empfehle ich doch den Essay des vor Kurzem verstorbenen Historikers Tony Judt unbedingt zur Lektüre.

Europa ist in seiner jetzigen Form und „Organisation“ für zu viele schon wieder so selbstverständlich, dass eine kleine Geschichtsstunde mehr als nicht schadet.

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Berlin, still Calling

Bei Lasagne und Zucchini-Salat haben meine lieben Bürokollegen und ich gestern Berlin Calling auf DVD konsumiert. Heute, angesichts des leicht verspäteten Veranstaltungsendes, fühlt es sich doch etwas so an, als habe man einen Teil der Drogen aus dem Film mitverspeist.

Fazit: Schräg, lustig, traurig, intensiv, rastlos, energiegeladen, berlinesk, grandiose Musik und ein Hauptdarsteller, der grandios (mehr als nur sich selbst (ein bisschen)) spielt. Der Soundtrack läuft schon lange auf Heavy Rotation, jetzt werde ich ihn mir noch einmal bestellen. Favourite tracks: Aaron, Azur, Sky And Sand.

Icke sach ma: Läuft!

33 minus 5

Minuten. Sie vergingen gestern Abend wie im Flug. Zur Abwechslung mal ohne Musik im Ohr hatte ich meine Alsterrunde absolviert, nein, war vielmehr herumgeprescht – wie von einem Sog gezogen, der mir unwirklich und anstrengend vorkam. Anstrengend mehr für den Kopf, als für den Körper.

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Zwischenzeitlich sah es nach 31 Minuten aus. Ich achtete auf die Atmung wie schon seit Urzeiten nicht mehr. Die Zeit war nebensächlich – und auch nicht.

Auf einer Bank am Westufer, nicht weit von der Krugkoppelbrücke entfernt, saß ich anschließend und fragte mich, was ich auf der anderen Seite in der Dämmerung sehe. Fragte mich, was ich gerade spüre. Langsam kam ich so in das Bild und meine Umwelt hinein, denn dass ich mich wie ein Getriebener in den davorliegenden 40 Minuten gefühlt hatte, war wohl nicht zufällig so. Dampf ablassen lautete die Devise – und dazu ist das Laufen immer gut.

Meine Gedanken tasteten sich langsam in Richtung Juni 1992. Das ist nach meiner Erinnerung mein erster Lauf um die Alster, und damals stand am Ende die Zahl 28. Schwer zu glauben, und mit dem Gefühl von gestern Abend, triefend nass auf der Bank sitzend, noch schwerer zu glauben. Ich möchte nicht dorthin zurück, mal abgesehen von der Regenerationsfähigkeit von damals, aber ich möchte unter die 30. Dieses Jahr noch.

Egal, ob getrieben, entspannt, bewußt oder zahlenfixiert. Ziele braucht der Mensch, auch kleine, scheinbar unwichtige.

Die Zeit läuft.

Hannover as City of blinding lights

U2 am 12. August in der AWD Arena in Hannover – kann man mal machen. Auch wenn die Tickets zwischen 70 und 270 Euro kosten. Als Wahl-Hamburger und Ex-Hannoveraner finde ich das natürlich eine naheliegende Gelegenheit, auch wenn man im Volkspark sicherlich für ein kleines Aufgeld ohne Problem das Dach ab, und dann wieder angebaut hätte haben können. Oder? Oder warum „geht“ das beim kleinen, aber nicht beim großen HSV? Zwinker, Zwinker.

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Mein letztes und bisher einziges Live-Erlebnis mit den vier Iren hatte ich im August 1997, bei einem Konzert der Pop Mart-Tour. Auf dem entstehenden EXPO-Gelände war es auch schon damals unheimlich laut, und hatte nach meinem Empfinden für ein Freiluft-Konzert bereits eine unheimlich gute Akustik. Meine fast einzige Erinnerung an den Abend: One als letzter Song, alles stockfinster und auf der riesigen Leinwand ein knallrotes Herz, begleitet von den Worten: „We promise, we will come back soon.“ Hat ja dann etwas gedauert…

Der zu erwartende Tribut für Robert Enke im Jahr 2010 wurde mit dem letzten Song dann auch noch gezollt. Moment of Surrender und Larry Mullen jr. dazu im Trikot der 96er. Man kann dabei, angesichts von mitunter grenzwertigem Pathos und der simplen Tatsache, dass sich die Jungs einfach mit dem Thema und der Stadt beschäftigt haben, geteilter Meinung sein – Gänsehaut bleibt aber nicht aus. Sicherlich auch, weil die Bühne des Verstorbenen der Ort war, an dem die gewaltige Bühne an diesem Abend aufgebaut ist.

Fazit nach gut zwei Stunden lichten Spektakels: Die Show bleibt weltweit unübertroffen, das Publikum ist unfassbar durchmischt, die Songs und Arangements gut bis sehr gut gewählt, und es war unglaublich laut – in the city of blinding lights.

Zwischen Ronco und Monte Generoso (Teil 2)

Die drei südschweizer und oberitalienischen Seen werden in den fünf Tagen unserer Reise alle von uns heimgesucht. Den Lago Maggiore verlassen wir am 2. August und über den Umweg nach Mailand inkl. obligatorischem Stadtbummel und Dombesuch landen wir am späten Nachmittag am Lago di Como.

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Gerne wäre ich unter normalen Umständen und als begeisterter Autofahrer auf die 180 Kilometer Seerundreise gegangen – aber heute ist es nur ein Zwischenstopp. Belaggio muss warten und wir fahren nach Chiasso in die Schweiz und decken uns erstmal bei ALDI Suisse mit Nahrungsmitteln ein.

Eine Stunde später bauen wir unser Zelt unterhalb des Monte Generoso auf einem Campingplatz auf, der direkt am Lago di Lugano liegt. Selbst die Sintflut eine weitere Stunde später kann dem Zelt nichts anhaben und die Laune nicht kippen.

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Das Bad im See am folgenden Morgen ist zwar kühler als im Lago Maggiore aber ein tolles Naturerlebnis und äußerst belebend.

Zwei Stunden später fahren wir zum Gotthard-Pass hinauf. Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe: Es regnet dort nicht und wir gehen dem Stau vor dem Gotthard-Tunnel aus dem Weg. Nach knapp zwei Stunden Fußmarsch, vom San Gottardo Ospizio kommend, und vorbei am Lago di Sella entscheiden wir uns in 2600 Meter Höhe angesichts schnell aufziehender Wolken für das vorzeitige Ende der Tour und treffen nach einer recht beeindruckenden Abfahrt und weiteren schönen Aussichten am Vierwaldstätter und Zuger See gegen 18.00 Uhr in Zürich ein.

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Wir biegen in der Duffourstraße rechts in die Seegartenstraße ein und auch hier lacht uns die Sonne bei 23 Grad. Vom angkündigten Regen weit und breit keine Spur. Der Abend kann kommen