Heavy (Californication) Rotation – alt und neu

Musik berührt die Seele. Sie gibt Kraft, spendet Trost und verbindet Menschen. Wenn ich keine Musik hören kann, geht es mir wirklich schlecht. Da von geschätzten 18 Stunden pro Tag z. Zt. ca. zehn bis zwölf mit Musik verbracht werden, kann sich jeder vorstellen, wie es mir geht.

Meine Favoriten sind aktuell: Santogold, der Soundtrack der 1. Staffel von Californication, No Line on the Horizon von U2 und der Klassiker Welcome to the Real World von Mr. Mister. Dazu kommt Porcupine Tree, die am Sonntag im Docks in Hamburg spielen werden. Ticket liegt bereit!

Den gewissen Unterschied macht im Moment Californication. Habe mir vor zwei Wochen die erste Staffel auf DVD bestellt. Nervig zwar, fünf Euro mehr für den FSK 18-Versand berappen zu müssen, aber die Serie entschädigt für alles. Ich wüsste gar nicht mehr, wie es ohne sie wäre! David Duchovny, den die meisten wohl aus Akte X kennen, spielt den Schriftsteller Hank Moody, der in Los Angeles emotional und künstlerisch auf dem Trockenen sitzt. Seit seinem Umzug von New York nach L. A. hat er nicht nur Lust und Fähigkeit zum Schreiben verloren, sondern auch seine Frau, die jetzt mit einem anderen verlobt ist. Die gemeinsame Tochter hält sie dennoch zusammen. Auf dem Trockenen sitzt der gute Mann aber trotzdem nicht, denn „er vögelt sich quer durch die Stadt“, wie seine Quasi-Ex-Frau bemerkt.

Aus diesem Umstand ergeben sich die komischten Geschichten und Situationen. Kostprobe gefällig? „Jetzt schaust du wieder so, als ob ich es deiner Katze besorgt hätte!“ Nach zwei bis drei gesehenen Folgen wird auch schnell klar, dass der überbordende Sex nicht Selbstzweck ist. Die Serie ist alles in einem: Liebesgeschichte, Komödie, zynische Gesellschaftssatire, Bühne für coole Musik, eine Ansammlung von sehr guten Schauspielern, die sehr gut geschriebene, schräge Geschichten atmosphärisch transportieren und – last but not least – philosophische Sinnsuche. Also für jeden etwas dabei.

Leider lassen sich die deutschen Sender und damit auch die Synchronisationsstudios – genau wie bei Weeds nach Staffel 2 – reichlich Zeit mit einer Fortsetzung. Californication ist in der Zwischenzeit schon in der 3. Staffel angekommen. Die sehr umfangreiche Website von Showtime hält reichlich Infos, Clips und mehr bereit.

„Dream of Californication!“

La mano del Re (Eigentlich wollte ich nur in die Schweiz fahren)

Donnerstagmorgen bin ich mit Freunden in die Schweiz gefahren. Genau genommen zunächst für eine Nacht nach Brunnen am Vierwaldstätter See und dann für zweieinhalb Tage in die Nähe von Sion im Kanton Wallis (Valais). Hier wird französisch gesprochen, der Genfer See (Lac Léman) ist nicht weit.

 

Gestern bin ich 900 Kilometer mit dem Auto unterwegs gewesen. Keine Minute davon war langweilig, dafür hat allein schon der 325i mit XDrive gesorgt. Farbe Silber, schwarze Ledersitze iPod-Anschlussmöglichkeit (Aux in) – so kann man mich glücklich machen. Mehr wäre nur gegangen, wenn es meiner wäre. Am Freitag hatten wir das Wägelchen bei SIXT in Lausanne abgeholt. Eigentlich wollte ich einen Diesel, aber der vermeintliche Spaßfaktor bei dem BMW war einfach zu groß und verlockend.

 

„Was ist das denn für ein Kasten?“, fragte mein Kumpel, als wir Freitagnachmittag in Vevey vorbei kommen. Der Bau entpuppt sich als die Zentrale von Nestlé. Nun wußte ich auch wieder, wieso mir der Name Vevey so bekannt vorkam. Am Abend komme ich allein mit dem Mietwagen durch Montreux und banne einige Ansichten eines gänsehauterzeugenden Sonnenuntergangs aus Richtung Genf auf die Speicherkarte meine Digitalkamera. Einziger Wermutstropfen mit dem Wagen ist das Tempolimit in der Schweiz (120) und in Italien (130). OK, ich habe mich nicht sklavisch dran gehalten schon gar nicht am Abend. Dennoch habe ich das Gefühl auf einem Drachen zu reiten, der kein Feuer speien darf.


Ich bin also gestern 900 Kilometer gefahren. Morgens um halb Zehn ostwärts über den Simplon-Pass. Grandios. Dann hinab ins Tal Richtung Domodossola, Grenze passiert und um 12.45 stehe ich vorm Mailänder Dom. Fotos sind schnell gemacht. Der Dom leuchtet in der Sonne, er ist noch recht frisch „renoviert“. Pflichtbesuch im LaRinascente. Nach 15 Jahren haben sie tatsächlich mein Lieblingsgeschirr aus dem Sortiment genommen bzw. dürfen (?) es nicht mehr verkaufen. Ich bin trotz Vorwarnung doch überrascht, es aus dem Munde einer alteingesessenen Verkäuferin zu hören. Laut Internet soll es in Norditalien in Lecce, Padova und Garda je ein Geschäft geben, das Geschirr von Desimone führt. Da ich seit 13 Jahren nicht mehr am Gardasee gewesen bin, fahre ich kurz nach zwei wieder ostwärts aus Mailand heraus. Ich habe den ganzen Tag Glück – alle Straßen sind quasi neu, frisch instand gesetzt.

 

Kurz nach Vier bin ich bei 25,5 Grad Celsius am Seeufer in Garda. Meine neue Tasche von reisenthel über der Schulter, mache ich mich auf, um mit Adleraugen nach dem Schriftzug La mano del Re zu suchen. Eine Adresse im Ort hatte ich im Netz nicht gefunden. Cerco un negozio che si chiama ‚La mano del Re‘, war der Satz den ich mir in etwa im Kopf zurecht gelegt hatte. Ich verzichtete zunächst darauf, zu fragen und folgte meinem Spürsinn. In der letzten in Frage kommenden Gasse hatte ich tatsächlich Glück, und was für eine Auswahl wartete dort auf mich! Valeria, die Ladenbesitzerin, kümmerte sich nebenbei noch um ihre Nichte. Ich verschweige den Betrag, der am Ende meines ca. einstündigen Aufenthalts im Laden von meiner VISA-Karte abgebucht wurde…

 

Wie ich mal wieder feststellen durfte, war mein Italienisch nicht schlecht, aber auch nicht so gut, wie ich es gerne hätte. Mir fehlt einfach die Übung im Sprechen. Valeria erzählte mir, dass der September so warm gewesen sei, wie sonst der Juli, 30 Grad und mehr. Sie schrieb mir am Ende ihre Telefonnummer mit dem Hinweis auf, dass ich sie auch anrufen könne, wenn der Laden außerhalb der Saison geschlossen ist. Molto gentile!

 

Zurück am Auto finde ich unter dem Scheibenwischer das obligatorische Ticket. Auch diesen Betrag verschweige ich galant. Als ich im Navi Rue du Pont 9, Uvriers-Sion, eingebe, zeigt mir das System als Ankunftszeit 23.50 Uhr an. Ich krieg‘ die Krise, das sind über fünf Stunden Fahrt! Wieder auf der Autobahn und an Brescia vorbei, entscheide ich über Turin nach Sion zurück zu fahren. Mein letztes Bargeld war im Automaten an der Tankstelle in der Nähe von Sirmione zurück geblieben. Die Autobahngebühren konnte ich dann glücklicherweise mit Kreditkarte begleichen. Der Versuch an einem Autogrill eine Viacard und Bargeld zu besorgen, war an einem defekten Bancomat gescheitert.

 

Mit einer etwas großzügigeren Auslegung der Geschwindigkeitsvorschriften konnte ich am Ende um kurz vor 23 Uhr mit knurrendem Magen den Motor vorm Hotel abstellen. Geschafft! Die heiße Ware ließ ich im Wagen.

 

Ich war ja eigentlich nur in die Schweiz gefahren.