Zwischen den Tagen

Wenn es Nacht wird, läuft die Zeit im Schatten. Sie schleicht auf Wegen, die wir kennen, aber oft nicht zu betreten wagen. Im Tageslicht könnte das alles anders aussehen. Es könnte scharf sein wie ein Messer oder dumpf wie eine Keule. Der gnadenlose Blick hinter den Vorhang, unter die Decke oder in alte Schubladen von auf dem Dachboden oder im Keller stehenden Kommoden.

In der Nacht geht der Blick nach innen und offenbart viel Ungelebtes. Was geschieht mit all den ungenützten Möglichkeiten? Mit den unveröffentlichten Inseraten aus unserer Feder? Den Träumen, Plänen und nicht eingeschlagenen Wegen? Man könnte sie wie Perlen einer Kette aneinander reihen und als stummen Schatz mit sich tragen. Stumm, aber sichtbar. Last in der Brust, vielleicht aber auch ungehobener Schatz in einem Raum, den wir nicht betreten können.

Wie klingt die Melodie dieser einen Geschichte? Wie würde sie klingen, wenn wir jemand anderes geworden wären? Was passiert mit unseren Anderen, unseren nicht vollführten Tänzen, den nicht unternommenen Reisen? Was geschieht mit dieser Liebe zu etwas, von dem wir nur ahnen können, was es hätte sein können.

Ab und an erhalten wir eine Antwort. Wenn wir doch bloß noch die Frage wüßten.