Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Geschafft! Am Ende einer selbst organisierten und vermarkteten Veranstaltung, weiß man, was man getan hat. Wochen von konzentrierter Arbeit, mit heftigen Ups und Downs münden in diesen einen Tag, um den sich letztlich alles dreht. Alles, was vorher gut oder schlecht lief ist vergessen, nur heute zählt – heute muss alles funktionieren.

Die Abhängigkeit vom Publikum, sprich den Teilnehmern ignoriere ich so gut es geht. Absagen am Tag zuvor wegen Krankheit, wegen „die Hütte brennt“ oder weil „zu kurzfristig“. Alles verdrängt und beiseite geschoben. Denn jetzt zählen nur noch die Anwesenden. Und das sind trotz allen Widrigkeiten erstaunlich viele. Und noch besser: Sie bleiben bis in den Nachmittag hinein und sind vor allem eins: interessiert.

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Kurz nach 17 Uhr ist Schluss. Jetzt herrscht fast nur noch Leere im Kopf. Aufräumarbeiten, Gespräche mit Referenten, Teilnehmern und Kollegen. Material einsammeln und Technik abbauen. Langsam stellt sich ein Gefühl der Befriedigung ein. Die Leere bleibt. Das war mein neunter Kongress in den letzten drei Jahren. Die Routine bringt mit der Zeit eine Art von Gelassenheit mit sich. Gelassenheit, die hilft, den Teil an Ohnmacht zu akzeptieren, der die Resonanz des Publikums betrifft.

Was sind dagegen schon Finanzmarktkrise, Wohnungssuche, Dauerregen, hohe Benzinpreise und überbordende Gefühle?! Das Bild oben spiegelt die emotionale Achterbahnfahrt vor, während und nach einer Veranstaltung sehr gut wider, eine Mischung aus: Unberrechenbarkeit, Faszination, Lebendigkeit, Emotionen, „Kunst“ und, und ,und…

Nach dem Kongress ist vor dem Kongress.

Network – Viva Las Vegas!

Die 1976 mit vier Oscars (Beste Schauspielerin, Bester Schauspieler, Beste Nebenrolle, Bestes Drehbuch) ausgezeichnete Mediensatire lief letzte Woche auf WDR 3. Ich schaltete zufällig rein, als gerade eine völlig abstruse Szene einer Geiselnahme zu sehen war, die sofort ihr anarchistisches Potential entfaltete. Ich zappte dann wieder weg und wieder zurück, und erhielt nebenbei eine Mail mit einem YouTube-Link. Anschließend schaute ich dann fast bis zum Ende. Aber nur fast, da ich beschloss mir die DVD zu bestellen. Gestern wurde sie geliefert, und ich könnte jetzt aus dem Text von der Rückseite zitieren, dass das Thema Quotendruck und Medienwelt heute noch aktueller ist als vor 30 Jahren.

In jedem Fall gibt es brilliante Dialoge und nach meinem Eindruck von letzter Woche, ist wohl einer der Oscars zurecht vergeben worden. Ich hoffe, ich finde in Kürze die Zeit für die DVD, die leider in dieser Version außer dem Trailer keine Extras vorzuweisen hat. Wer etwas mit beißendem bis ätzendem Sarkasmus und guten Schauspielern anfangen kann, und obendrein gern und viel lacht, dem sei der Film wärmstens empfohlen. Rupert Murdoch wird er vielleicht nicht so gut gefallen (OUTFOXED: Rupert Murdoch’s War on Journalism), aber nicht nur Fox News in den USA bereitet sich auf die Präsidentschaftswahlen vor – wir alle tun das bereits. Network ist dabei mehr als Rahmenprogramm. Viva Las Vegas!

David Foster Wallace – R.I.P.

Ich hatte seinen ersten Roman Der Besen im System zuletzt häufiger in der Hand. Er wartet seit einigen Monaten in meinem Bücherregal darauf gelesen zu werden. Sein Opus Magnum Infinite Jest von 1996 wird angeblich in Kürze erscheinen. der Übersetzer arbeitet seit langer Zeit acht bis zehn Monate im Jahr an der deutschen Fassung. Jetzt gibt es leider einen traurigen Anlass, den Autor und die anstehende Veröffentlichung einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Bekannt ja, zugänglich wohl eher nein. Zu verschachtelt die Sätze, zu umfassend und undurchdringlich (unendliche Fußnoten) die Texte.

Sein Thema war Die unentrinnbare Unterhaltung (Artikel von Willi Winkler in der SZ von gestern). Während ich diese Zeilen schreibe und dabei Musik höre und bis eben noch in der Zeitung las, weiß ich doch gleich wieder was damit gemeint ist.

Ich empfehle zum Einstieg den Geschichten-Band Kurze Interviews mit fiesen Männern. Anders als über Kurzgeschichten wird man sich dem Mann, auch nach seinem Tod, wohl nicht nähern können. Er hat sich übrigens erhängt, jedenfalls nach dem, was jetzt bekannt ist. 46 Jahre ist länger als viele Leben; aber zu kurz für diesen wortgewaltigen Schriftsteller. Ein dezenter Hinweis darauf, mehr aus jedem einzelnen Tag zu machen – es könnte der letzte gewesen sein.

Clever people / Jungfrauenthal

Dafür halten wir uns doch alle, oder? Schlau, smart, clever – und schnell weiter gehen, wenn es unangenehm wird. Oft reicht es ja schon nicht mal mehr zum Türaufhalten. Aber immer alles haben wollen, möglichst unverzüglich – selbstverständlich ohne angemessene Gegenleistung. Leistung? What’s that?! Soundtrack dazu: You Get What You Give von den New Radicals.

Alles muss immer dem Optimum entsprechen, z. B. bei der Wohnungssuche. Meine aktuelle Wohnung im Alsterkamp habe ich vor dreieinhalb Jahren nur bekommen, weil sie allen anderen zu klein war; dabei stand ihre Größe in der Anzeige und sie hat trotz ihrer 36 qm Balkon und Badewanne. Letzteres kann ich von den Wohnungen, die ich in den letzten drei Monaten besichtigt habe, nur in den wenigsten Fällen sagen. Weniger „Leistung“ für fast doppelt so viel Miete. OK, jetzt zahle ich 340 kalt, was lächerlich ist, bei einer Entfernung von einer Minute zu Fuß bis zur Außenalster. Der Kenner ahnt bereits, dass ich nur ausziehe, weil Spekulanten sich das Haus unter den Nagel gerissen haben und jetzt Eigentumswohnungen einpflanzen wollen. Ich sage nur: Es lebe die Abfindung! Sie lebe lang, sie lebe hoch!!

Morgenstimmung im Alsterkamp

Den Laubengang zu meiner Wohnung werde ich vermissen. Nun ja, wenn alles klappt gewinne ich dafür den Isemarkt als neuen Nachbarn. Andererseits, habe ich gelernt, nichts zu erwarten. Vor zwei Wochen habe ich eine absolute Traumwohnung im Mühlenkamp gefunden und leider nicht bekommen. Da war ich wohl nicht clever genug.

Beim Laufen heute Abend nach der Besichtigung im Jungfrauenthal schickte mir der Zufall als dritten Titel Clever People von Terry Hoax vom Album Den Kindern geht es gut und sie lassen grüßen… ins Ohr. Beflügelt durch die realistische Aussicht auf die neue Wohnung und den Sound im Gehörgang (und eine junge Dame im Reformhaus am Eppendorfer Baum) bin ich dann die schnellste Runde seit vielen Monaten gelaufen. Wie clever das war, werde ich morgen früh wissen…

The CineFiles

Vor ein paar Tagen erzählte mir ein Freund von einer Art Literarischem Quartett (bzw. Trio), dass sich an Filmen und der Filmgeschichte abarbeitet. The CineFiles nennt sicht der herrlich entspannte Spaß und ich empfehle zum Einstieg die Gesprächsrunden über die Bond-Filme.

Das Konzept der Veranstaltung ist so simpel wie genial: So wie sich jeder mit Freunden über Filme unterhält, tun die Herren das hier auch – und lassen sich dabei filmen. Auf Englisch kommt das Ganze dann obendrauf auch noch recht lässig daher. Fazit: Volle Punktzahl!