No regrets

Gestern Abend spielte Manu Katché mit seiner Band in der Fabrik in Hamburg. Letzte Woche war sein neues Album Playground auf den Markt gekommen. Die meisten Kritiken sprachen davon, dass es noch besser sei als der Vorgänger Neighbourhood, aber ich finde es nicht so griffig und eingängig, trotzdem Weltklasse-Jazz.

Das könnte man von einem Weltklasse-Drummer vielleicht auch erwarten, doch selbstverständlich ist das wohl nicht. Alle Stücke sind Eigenkompositionen des Franzosen, der schon mit allen Größen des Rock, Pop & Jazz zusammengespielt hat. Live auf der Bühne entwickelt die Musik noch mehr Energie, das gilt selbst für die zahlreichen ruhigen Stücke.

Ich hatte den Anfang des Konzertes verpasst, weil ich noch einen Parkplatz suchte und dabei Take Off  And Land hörte, immer wieder von vorn. Im Konzert kam es dann gleich als drittes Lied und die Stimmung war auf dem Höhepunkt.

Die Virtuosität der Musiker war faszinierend und besonders die perlenden Klavierpassagen ließen Wehmut in mir aufsteigen, Bedauern darüber, dass ich bis heute kein Instrument spielen kann. (Die Gitarre in meiner Wohnung ist mehr ein Möbelstück…).

Mir kam spontan der Song No Regrets aus dem Film Wonderboys in den Kopf. Ich habe zwar festgestellt, dass die Musik von Katché – ähnlich einem Soundtrack – besser mit Bildern, vor allem beim Autofahren am Abend, funktioniert, dennoch kein Bedauern darüber, dass ich 18 Euro in die Karte investiert hatte. Ganz im Gegenteil.

Licht & Laufen

Die Tage werden kürzer, die Sonnenstunden weniger. Spätestens nach Ende der Sommerzeit am letzten Oktobersonntag folgt dann die dunkle Zeit, in der man morgens ohne Tageslicht das Haus verlässt und am Abend unter gleichen Bedingungen zurückkehrt. Schon jetzt ist es eher die Ausnahme am Abend noch im Hellen eine Laufrunde zu drehen. Nach schweißtreibenden 40 Minuten gehen dann auf jeden Fall die Lichter aus.

Die Herbst- und Winterzeit bietet zum Laufen auch schöne Momente, aber die Motivation ist nicht immer hoch, wenn es draußen nach einem kraftsaugenden Tag dunkel, kalt und auch noch nass ist. Der Sonntag zwischen 9 und 16 Uhr wird so zum unverrückbaren Termin in der Woche auf der Suche nach Bewegung und Licht.

Was natürlich immer hilft, ist eine Verabredung zum Laufen. Selbst als passionierter Läufer kann man sich einfach nicht immer aufraffen, schon gar nicht unter den geschilderten Bedingungen.

Als ich vor ein paar Tagen morgens an der Außenalster unterwegs war, viel mir auf, wie selten ich dieses Jahr ganz früh am Morgen gerannt bin. War es der vergessene Sommer? Der viele Stress im Büro? Letztes Jahr war es dagegen oft am Morgen schon zu warm und stickig.

Was bleibt, ist die Erinnerung an den Italien-Urlaub im Juli: Jeden Morgen Schwimmen und alle zwei Tage Bergläufe. Den Kreislauf hat’s gefreut und der Tag war länger. So oder so.

Der freie Wille

So heißt ja wohl auch ein recht heftiger Film mit Jürgen Vogel, in dem er einen Triebtäter spielt. Ich habe einiges darüber gelesen, ihn aber nicht gesehen, und wenn ich z. B. von dem Film 21 Gramm sage, dass das ein Film ist, den man sich nicht immer angucken kann, dann ist Der freie Wille wohl ein Streifen, den man sich entweder nie oder nur einmal und dann nie wieder ansieht.

Der freie Wille, den ich im Titel meine hat sicherlich auch etwas mit der im Film dargestellten Hauptfigur zu tun. Es geht um die vermeintliche Wahlmöglichkeit, die jedem von uns zur Verfügung steht. Ich las darüber vor ein paar Wochen ein Interview im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung. Tenor: Der vermeintlich freie Wille ist nur eine Illusion.

Ohne die dort gemachten neurologischen und philosophischen Aussagen im Detail wiedergeben oder bewerten zu wollen, klang mir das doch alles sehr nach der großen Matrix, in der wir alle fest hängen bzw. gefangen sind. Goethe hat das mal „Gesetz, wonach du angetreten“ (Urworte. Orphisch) genannt. Entsprechend fiel einige Tage später auch ein Leserbrief aus. Dort wurde als Gegenbeispiel die Frage aufgeworfen, ob ein Kind denn nicht jederzeit einen freien Willen dadurch äußere, dass es unbedingt Pommes essen wolle, statt etwas anderem.

Natürlich bewegen wir uns in gewissen Verhaltensmustern, aber mir deshalb den freien Willen absprechen zu lassen und Moral als selbstgerechtes Luxusgefühl zu bewerten, ist wohl eine Überlegung aus dem Elfenbeinturm!?

Mein freier Wille hat mir jedenfalls gerade nach einem 10-Stunden-Kongress-Tag noch eine halbe Alster-Laufrunde (trotz Kopfschmerzen) beschert und den Luxus einer ins Haus gelieferten „Gourmet-Pizza“. Und vor allem nach einem Monat Sendepause einen neuen Blog-Eintrag.