Eine Woche Berlin (3)

Tag 4-5: Was vom Tage übrig blieb

Heute hilft auch fünf Minuten (!) kalt duschen nichts mehr.

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich bereits im Berliner Hauptbahnhof. Auf der Fahrkarte steht Berlin Hbf (tief), uns so sind hier unten auch die Temperaturen. Geschätzte zehn Grad Celsius weniger dürfte die Luft im Untergeschoss warm sein, und mindestens 20 Grad kühler als in dem S-Bahnwaggon, den ich vor zehn Minuten verlassen habe.

Informationen zu meinem Zug stehen bereits auf den Monitoren, allerdings muss ich bis zur Abfahrt noch gute 90 Minuten warten. Ein leichter Durst könnte mich noch einmal auf die wärmeren Etagen treiben, Hunger sicherlich nicht. Zum Abschluss des Unterrichts gab es heute Wein, Weib & Salate. Die anderen Teilnehmerinnen fragten dann auch noch einmal augenzwinkernd nach, wie es mir denn die Woche über als Hahn im Korb gefallen hätte. Die Antwort konnte ich mir sparen, denn das war wohl allen klar. Es gibt sicherlich deutlich unangenehmere Situationen, als die des Quotenmannes in einem Seminar, jedenfalls, wenn das Thema nicht gerade Kampf-Stricken oder ähnliches ist. Wobei: nichts gegen das Stricken; würde ich auch gerne beherrschen.

Gestern Abend habe ich einen Ausflug nach Reinickendorf bzw. Wittenau gemacht. Da meine Pension schon bei Buchung meines Zimmers für Übernachtungen ab dem 14. Juni restlos ausgebucht war, musste ich mir eine andere Unterkunft suchen. Ein Freund hatte mir bereits vor mehr als drei Jahren die Handynummer seines Cousins aus Berlin gegeben. Bis vorgestern hatte ich sie noch nicht einmal gewählt.

Wie sich herausstellte, ist der gute Mann gar nicht mehr in Berlin. So landete ich schließlich bei seinem Vater, dem Onkel des besagten Freundes, in Wittenau. 20 Minuten Fahrt mit der U-Bahn, ein Bier und einige Gespräche später saß ich dann noch einmal an meinem Rechner in einem unbeleuchteten Zimmer. Unbeleuchtet, um das Anlocken und die Attacken der Mücken wenigstens einigermaßen in Grenzen zu halten. Die Powerpoint-Präsentation auf dem Bildschirm war noch klar zu erkennen, bei den Aufzeichnungen des Tages in meinem Seminarordner war ich mir da schon nicht mehr ganz so sicher. Nach einem sehr liebevoll zubereiteten rustikalen und leckeren Abendessen (Bratkartoffeln, Würstchen-Streifen, Ei, Cocktailtomaten etc.) folgte dann die Nacht auf einem braunen, letztlich gar nicht so unbequemen Ledersofa.

Am Morgen die Vital-Dusche. Nach der herzlichen Verabschiedung schlurfe ich beladen mit zwei Taschen und einem Stoffbeutel in meinen Flipflops wieder zur U-Bahn Linie 8. Auf dem Weg zum letzten Kurstag lese ich die Auflösung, sprich die letzten beiden Seiten eines brand eins-Artikels aus dem Jahr 2006, zu unserem gestrigen Praxisfall und treffe um viertel nach acht meinen Koffer im Seminarraum wieder. Ich hatte ihn gestern bis auf etwas Wäsche und meinen Kulturbeutel, dortgelassen. Ein Mitarbeiter des PR Kollegs wuselt durch die Räume, ansonsten bin ich allein.

Der halbe Liter Bier von gestern Abend sitz mir in den Knochen. Meine Lust hält sich in Grenzen. Die fröhliche und erfahrene holländische Dozentin, schafft es trotzdem auch heute wieder, uns mitzuziehen. Großes Kompliment! Unsere zweite Präsentation, zu der brand eins-Aufgabe, tragen wir unter dem Namen Agentur Ohne Namen vor.

Die Woche ist sprichwörtlich wie im Flug vorüber gegangen, aber es gilt nur noch: Der Geist ist willig, doch das Fleisch ist schwach. Hätte ich mehr als ein halbes Glas Rotwein zum Abschieds-Imbiss getrunken, ich weiß nicht, ob ich schon jetzt hier im Bahnhof wäre…

In der Tasche das Zertifikat über die Teilnahme am Seminar und im Kopf und auf dem Zettel bereits neue Kurse und Termine Ende August und Mitte Oktober. 100 Minuten mit dem Zug vor mir und die Reise in die andere Richtung kann jederzeit ein schönes Wochenende in der Hauptstadt einläuten.

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