Vakuum

Heute morgen ist meine Uhr wieder stehen geblieben. Ich hatte mich gerade auf den Weg zu einer Veranstaltung mit Frühstücksempfang gemacht. Seitdem ist es 7.50 Uhr und 49 Sekunden. Die Zeit steht still. Jeder Blick auf die Uhr seither hat eine äußerst entspannende Wirkung. Der Tag dauert schon so lange und dennoch ist es noch nicht einmal acht Uhr. Das ist eigentlich das ultimative Gegenargument zum Kauf einer neuen Uhr und zugleich eine innovative Geschäftsidee: Die Uhr als Entspannungsmittel und reiner Schmuck. Man könnte je nach Situation, Gefühl und Tagesform die Zeiger jeweils in die gewünschte Position bringen, ohne dass sie sich weiter bewegen. Stress, was ist das?!

Vom Typus her ist das die Zwischenstufe zwischen normalem bis fetischbehaftetem Uhrenträger und dem völligen Zeitanzeiger- Verweigerer. Mein Chef z. B. hat auch keine Armbanduhr, und ich erinnere mich an das letzte Mal, an dem ich meine morgens zu Hause habe liegen lassen. Nach anfänglichem Unbehagen, unter anderem über das mangelnde Gewicht am linken Handgelenk, stellte sich schnell eine gewisse Art von Befreiung ein. Ob nun eingebildet oder nicht – ich halte das mit dem Plazebo-Effekt: Egal, ob ein Mittel oder Vorgang kausal ist für ein Ergebnis, Hauptsache es fühlt sich gut an!

Die Zeit steht jetzt seit über vier Stunden still und plötzlich ist die Mittagspause nicht mehr ganz so wichtig. Selbst wenn die Zeiger sich wieder in Bewegung setzen sollten, so hat der Tag doch jetzt schon viele Stunden hinzugewonnen.

Es bietet sich heute musikalisch zu dieser festsitzenden Wocheneinheit, der schwülen Wetterlage und der einen Gang runtergeschalteten Geschwindigkeit The Vacuum von Big Light, zu finden auf dem Album Pop 2000, an. Eine Berliner Gruppe, die sich leider nach drei Alben in den 90er Jahren schon wieder aufgelöst hat. Aus der Promotion-Abteilung ihrer Plattenfirma habe ich damals nach Veröffentlichung ihres dritten Albums NowHere nur gehört: die Titel auf der CD seien zu gegensätzlich, um das Album gut vermarkten zu können. Kleiner Tip aus heutiger Sicht: alles nur eine Frage der richtigen Kommunikation.